Erdoğan schmäht Demonstranten: Präsident vergleicht Männer in Röcken mit Terroristen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat offensichtlich kein Verständnis für Männer, die in Miniröcken ihre Protest gegen Gewalt an Frauen zum Ausdruck bringen. Am vergangenen Wochenende waren nach dem brutalen Mord an der 20-jährigen Özgecan Aslan zahlreiche Herren einem Aufruf in den Sozialen Medien gefolgt. Für den Politiker versteckten sie sich hinter Masken, so wie es auch Terroristen täten.

Seinen zweifelhaften Vergleich zog Präsident Erdoğan am vergangenen Mittwoch. Während einer Zeremonie in Ankara begann seine Diskreditierung der Demonstranten. Zu Gast war er an diesem Tag bei der Türkiye Gençlik ve Eğitime Hizmet-Stiftung (TÜRGEV), um dort neue Schlafsäle einzuweihen. Bei einem Treffen mit Geschäftsleuten im Präsidentenpalast trieb er die Schmähung dann offenbar auf die Spitze.

„Lasst sie nach tief ausgeschnittenen Tops und Miniröcken schreien“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Erdoğan während seiner TÜRGEV-Visite. Er wolle eine Generation heranziehen, die „loyal zu ihrem Glauben und ihrer Geschichte“ stehe.

Später in seinem Amtssitz soll er vor einer Versammlung kleiner und mittlerer Unternehmen noch deutlicher geworden sein, behauptet das Blatt. „Sie nennen sich Männer. Welche Männer? Männer tragen Hosen, sie aber tragen Röcke. Sie verstecken sich.“ Für Erdoğan gibt es offenbar eine Parallele zwischen Miniröcken und Masken. Und so wird er dem Blatt zufolge noch konkreter: „Warum willst du eine Maske zu tragen, wenn du kein Terrorist bist?

Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, zog es am vergangenen Samstag zahlreiche Männer in Miniröcken auf die Straßen Istanbuls. Begleitet wurden sie bei ihrer Aktion von anderen Männern, Frauen und Kindern. Solidarisch mit ihnen zeigte sich auch Harry Potter-Star Emma Watson, die ihre Unterstützung via Twitter kund tat (mehr hier).

Losgetreten wurde die Aktion von einem einzigen Mann: Erkan Doğan tauschte am 16. Februar auf dem Altıyol Platz im Istanbuler Stadtteil Kadıköy Hose gegen Rock ein. Seinen ungewöhnlichen Protest untermauerte Doğan mit einem Plakat. Darauf stand zu lesen: „Belästigung und Vergewaltigung müssen ein Ende haben. Wir alle sind Özgecan“. Warum der junge Mann in dieser Form auf die Straße ging, erläuterte er anschließend gegenüber den türkischen Medien. „Ich trug einen Rock, um zu betonen, dass der Mord nichts mit einem Rock zu tun hat“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Selbst einige Prominente hätten versucht, diese „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ mit der Kleidung von Frauen zu rechtfertigen. „Wir sollten gegen jede Art von Gewalt sein und wir sollten unsere Kinder als Menschen mit Respekt vor dem anderen Geschlecht erziehen.“ (merh hier).

Befremdliche Äußerungen in Zusammenhang mit dem Mord an der jungen Studentin kamen bereits vom AKP-Abgeordneten İsmet Uçma. Er kam zu dem Schluss, dass türkische Seifenopern für die Zunahme an Vergewaltigungen im Land verantwortlich zu machen sind. Der Grund: Diese Formate zerstörten die türkischen Familienstrukturen (mehr hier).

Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren einen Anstieg männlicher Gewalt gegen Frauen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des unabhängigen Portals «Bianet» 281 Frauen von Männern ermordet. Im Jahr 2013 waren es 214 Opfer. «Der Mord an Özgecan hat das Fass zum Überlaufen gebracht», sagt die Demonstrantin Sevinc Uluer in Istanbul. In der Türkei werde Gewalt gegen Frauen oft als Kavaliersdelikt behandelt. «Für viele Männer sind Frauen selbst mitverantwortlich, wenn sie vergewaltigt werden. Sie sagen etwa, dass sich Frauen nicht so aufreizend kleiden sollen, und Richter zeigen dafür noch Verständnis.»

Teil des Problems sei, dass Politiker der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP sich immer wieder sexistisch äußerten, sagt Uluer. Dass sowohl Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan als auch Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu den Mord an Aslan scharf verurteilten, ändert für die 49-Jährige nichts am Grundproblem (mehr hier).

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