Wahlkampf auf Türkisch: AKP-Kandidaten posieren in osmanischem Gewand

Erst vor einigen Wochen sorgten 16 Krieger in Erdoğans Präsidentenpalast für internationale Schlagzeilen. Nun versuchen einige AKP-Abgeordnete offenbar auf diesen Zug aufzuspringen. Auf Wahlplakaten präsentieren sie sich in historischen Gewändern und hoffen nun auf die gleiche Aufmerksamkeit.

Die bevorstehenden Parlamentschaftswahlen in der Türkei treiben bei einigen AKP-Kandidaten offenbar seltsame Blüten. In ihren Kampagnen treten sie derzeit in traditionellen Kleidungsstücken wie Herrscher aus längst vergangenen Zeiten auf. Derartige Bilder hatten Ende Januar jedoch schon einmal für viel Spott und Häme in den Sozialen Netzwerken gesorgt.

Die türkische Zeitung Hürriyet hat einige Beispiele aus den ungewöhlichen Wahlkampf-Bemühungen im osmanischen Stil zusammengetragen. Sie zeigt etwa den AKP-Kandidaten Osman Yavuz und seine Kampagne mit dem Titel „Alle gemeinsam, Neue Türkei“. Yavuz wurde in der zentralanatolischen Provinz Konya nominiert. Überzeugen will er nun durch das Tragen eines Börk. Dabei handelt es sich um eine Kopfbedeckung, wie sie einst seldschukische Krieger sowie die ersten osmanischen Sultane des 14. Jahrhunderts getragen haben. Erst vor kurzem brachte das TV dieses Kleidungsstück den Türken wieder näher, so das Blatt.

Seit 25. Februar kursiert der historisch anmutende Auftritt nun im Internet. Und erneut scheiden sich daran die Geister. Für Yavuz selbst ist die Wahl seines Outfites eine ganz normale Sache, wie er der Zeitung erklärt. Konya sei einst die Hauptstadt des anatolischen Seldschukischen Reiches gewesen. Er wolle als Bewerber „seiner Stadt auf effiziente Weise dienen“.

Andere Lokalpolitiker wollen auf der Welle der 16 Krieger offenbar ebenfalls mitreiten. Wie zum Beispiel Ersin Karababa. Der AKP-Kandidat stsammt aus der nordtürkischen Provinz Tokat. Auf Plakaten erscheint er wiederum als Sultan des 16. oder 17. Jahrhunderts. Noch weiter ging übrigens Cihangir Tahir, AKP-Kandidat für Ankara. Er ergänzte seine osmanische Kleidung sogar um eine für diese Ära typische Barttracht. Mit Hilfe von Photoshop platzierte er sich sogar zwischen Präsident Erdoğan und dessen Frau Emine, die er als „meinen spirituellen Vater“ und „meine spirituelle Mutter“ bezeichnet.
Als bislang einzige Frau greift auch die Istanbuler AKP-Kandidatin Nalan Aktaş zum traditionellen Outfit.

Auch aktuell ließ der Spott im Internet nicht lange auf sich warten. Wie die Zeitung berichtet, begegneten die Gegner der Kampagnen dem Ganzen mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus. So hätten sie Fake-Kandidaten in entsprechenden Monturen in Umlauf gebracht. Und zwar mit osmanischem Fez und Parolen wie „Ich trete an, um öffentliche Ausschreibungen zu gewinnen“.

Im Januar dieses Jahres sorgten 16 Krieger in Erdoğans Präsidentenpalast für Spott und Häme im Internet. Sie sollten eigentlich die 16 großen türkischen Reiche repräsentieren, die in den vergangenen zweieinhalb Jahrtausenden Mittelasien oder den Orient beherrschten. Erstmals waren die Krieger beim Staatsbesuch des Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in Ankara aufgetaucht. Beim offiziellen Fototermin der beiden Politiker im Präsidentenpalast maschierten 16 Wächter in historischen Gewändern auf.

Auf Twitter konnte man Bilder von Erdoğan in Gesellschaft von Star-Wars Figuren oder Fotomontagen, die den türkischen Präsidenten als Figur der Fernsehserie „Game of Thrones“ zeigen, finden. Einen türkischen Professor kostete das Ganze jedoch den Job (mehr hier).

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