Tragische Bilanz: Türkische Polizisten verletzen 2014 mehr als 1500 Menschen

Bei Protesten in der Türkei wurden im Jahr 2014 insgesamt 1539 Personen, darunter 112 Kinder, durch Sicherheitskräfte verletzt. Ganze 11.262 Menschen wurden festgenommen, darunter 241 Flüchtlinge. Das geht aus einem aktuellen Bericht des türkischen Menschenrechtsvereins İnsan Hakları Derneği (İHD) hervor.

In ihrem Bericht zeigt der İHD auf, dass im Jahr 2014 insgesamt 3401 Menschen Opfer von Folter, Misshandlung, Erniedrigung oder ungerechter Strafe wurden. 1021 dieser Personen seien während ihrer Haft Folter und Misshandlung ausgesetzt gewesen. Das Papier beschreibt zudem das gefährliche Ausmaß der Gewalt gegen Frauen in der Türkei.

64 der 1021 Personen, die Folter oder Misshandlung in der Haft erlitten, seien dem Menschenrechtsverein zufolge Kinder gewesen. Auch 23 der insgesamt 213 Personen, die außerhalb der Haft misshandelt worden seien, waren demnach Kinder. Wie der Bericht weiter aufführt, seien außerdem 235 Häftlinge gefoltert oder Opfer von Misshandlungen in Gefängnissen geworden, 54 von ihnen seien minderjährig gewesen. Spezialeinheiten hätten 2014 insgesamt 19 Personen gefoltert oder misshandelt. Die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die im Jahr 2014 inhaftiert wurden, liege bei 241, 22 von ihnen Kinder.

„Im Jahr 2014 wurden 296 Frauen getötet. 39 Frauen begingen Selbstmord. 191 Frauen wurden Opfer sexueller Gewalt oder Vergewaltigung. 585 Frauen wurden ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie geschlagen oder verletzt wurden. Sechs Frauen fielen Ehrenmorden zum Opfer. 13 Frauen starben unter nicht zu klärenden Umständen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Songül Erol Abdil vom Menschenrechtsverein. Insgesamt 44 Kinder seien getötet worden, 219 Kinder in gewalttätigen Zwischenfällen verletzt.

Ehrenmorde seien demnach weiterhin ein ernsthaftes Problem in der türkischen Gesellschaft. Getroffen hätte es aber nicht nur sechs Frauen, sondern auch zwei Männer. Sechs Menschen wurden bei Hassverbrechen getötet, 17 bei solchen Hassverbrechen verletzt.

İHD-Präsident Öztürk erklärte in einer Bewertung des Berichts, dass die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei in den vergangenen Jahren parallel mit der zunehmenden Tendenz zum Autoritarismus der türkischen Regierung gestiegen seien. Er wies zudem darauf hin, dass eine Reihe von Hinrichtungen insbesondere in Grenzregionen verübt wurden und dass es keine wirksamen Ermittlungen noch Anklage gegen diese Fälle gegeben hätte. Türkdoğan befürchtet, auch mit Blick auf das neue Sicherheitspaket, dass sich die Türkei mehr und mehr in einen Polizeistaat verwandle. Mit seinen Sorgen ist er jedoch nicht allein. Bereits Anfang 2014 warnte der führende türkische Wirtschaftsverband TÜSİAD die Regierung vor einer zu starken Beschneidung des türkischen Rechtstaats (mehr hier). 

Der Verein hat seine Daten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Die Zahlen stammten aus diversen Niederlassungen des İHD, von Forschungskommissionen, aus lokalen und nationalen Nachrichten sowie aus Berichten von NGOs und staatlichen Institutionen.

Mehr zum Thema:

Amnesty International: Türkische Polizei hat bei Gezi-Protesten Menschenrechte exzessiv verletzt
Tränengas-Attacken der Polizei: Gezi-Park-Demonstranten leiden noch immer unter den Folgen
Stärkung der Staatsautorität: Türkischer Premier will noch härter gegen Proteste vorgehen

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.