Studie: «Charlie Hebdo»-Anschlag hat zusammengeschweißt

Nach dem Anschlag auf die Pariser Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» haben in Deutschland und Frankreich Zeichen für Toleranz und Dialog bei weitem Forderungen nach Konfrontation und Rache überwogen. Das geht aus einer Datenanalyse von Onlinemedien des tschechischen Instituts Semantic Visions hervor. Der Anschlag habe die französische Gesellschaft «eher zusammengeschweißt als gespalten».

In Deutschland hätten vor dem Hintergrund der Pegida-Debatte Vorstellungen eines Konflikts mit dem Islam und Rufe nach Rache eine größere Rolle gespielt als im Land des Anschlags selbst, so die Studienautoren. Das sei ein «beunruhigender Trend», sagte Projektleiter Pavel Dyurych in Prag der Deutschen Presse-Agentur.

Ausgewertet wurden den Angaben zufolge Millionen Internetseiten über einen Zeitraum von einem Monat vor und nach dem Pariser Anschlag. Die Beiträge wurden in konsenssuchende und konfliktfördernde eingeteilt. Am 7. Januar hatten Islamisten die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» gestürmt und zwölf Menschen erschossen.

In der Türkei ist «Charlie Hebdo» offenbar nach wie vor ein Reizthema für die türkische Regierung. Zuletzt wurde die offizielle Seite des französischen Satiremagazins per Gerichtsbeschluss für türkische User blockiert. In seiner aktuellen Strafanzeige brachte die Türkische Telekommunikationsbehörde (TİB) vor, dass die betroffenen Seiten religiöse Gefühle beleidigten und die öffentliche Ordnung stören würden. Grundlage hierfür ist Artikel 216 des türkischen Strafgesetzbuches (mehr hier).

Bereits kurz nach den Attentaten in Paris hatte ein Gericht in Diyarbakir im Südosten Landes die Sperre von Internetseiten angeordnet, die die Mohammed-Karikatur von Charlie Hebdo veröffentlichen. Der Beschluss Mitte Januar bezog sich auf vier Seiten. Über das unabhängige Internetportal T24 waren damals allerdings weiterhin die kompletten 16 Seiten der damals neuen Ausgabe von «Charlie Hebdo» in türkischer Übersetzung für Nutzer aus der Türkei zugänglich. Die Karikatur zeigte einen weinenden Propheten Mohammed, der ein Schild mit der Aufschrift «Je suis Charlie» hält (mehr hier).

Schon vor dem Gerichtsbeschluss hatte die linksnationalistische Zeitung «Cumhuriyet» in ihrer Druckausgabe eine vierseitige «Charlie Hebdo»-Beilage verbreitet. Das in der Türkei wegen der Mohammmed-Karikatur besonders umstrittene Titelbild des Satiremagazins wurde allerdings nicht in der Beilage, sondern nur verkleinert auf zwei anderen Seiten in der Zeitung abgedruckt. Mit der Aktion rief die Redaktion umgehend die türkische Polizei auf den Plan (mehr hier).

Hier geht es zur Studie.

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