Minenunglück in der Türkei: Ein Toter und zwei Verletzte in Zonguldak

Knapp ein Jahr nach dem Minenunglück von Soma ist es an diesem Dienstag an der türkischen Schwarzmeerküste erneut zu einem Zwischenfall in einem Kohlebergwerk gekommen. Ein Kumpel wurde getötet, zwei wurden verletzt.

Der Unfall trug sich am frühen Morgen gegen vier Uhr rund 550 Meter unter Tage in der Region Zonguldak, eines der wichtigsten Kohlereviere der Türkei zu. Betrieben wird die Mine im Distrikt Ereğli von der Niederlassung der staatlichen Gesellschaft Türkiye Taşkömürü Kurumu (TTK) in Armutçuk.

Nevzat C., 38, Yaşar Ö., 45, und Hüseyin D., 35 wurden nach dem Einsturz unter Trümmern eingeschlossen, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Kollegen sei es gelungen, den 45-Jährigen und seinen 35-jährigen Kumpel aus den Trümmern zu ziehen. Sie seien in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden und befänden sich in einem stabilen Zustand. Der 38-Jährige kam bei dem Unglück jedoch ums Leben. Sein Leichnam sei rund zwei Stunden nach dem Erdrutsch gefunden worden, so das Blatt weiter.

Nach Angaben von İsa Mutlu, von der Allgemeinen Bergarbeiter Gewerkschaft (Genel Maden İşçileri), habe der Zusammenbruch während der Kohleproduktion stattgefunden. Wie es dazu kommen konnte, scheint derzeit allerdings noch unklar. Arbeitsminister Faruk Çelik zufolge spreche in diesem Fall alles für Fahrlässigkeit. Das Kohlebergwerk sei erst im Juni und November 2014 geprüft und mit einer Geldstrafe von 43.000 Türkischen Lira belegt worden. Verhindern, so seine Einsicht, könnten Kontrollen und Strafen derartige Unfälle aber offenbar nicht. „Wir leben in einem Land, in dem im Durschnitt täglich drei Arbeiter ums Leben kommen. Wer sollte gegenüber solchen Vorfällen wachsam sein? Das Ministerium, die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer“, so der Minister.

Nach Angaben von Çelik seien in den vergangenen zwei Dekaden insgesamt rund zwei Millionen Menschen in der Türkei in einen Arbeitsunfall involviert gewesen. Die Arbeitsunfälle in den Jahren 1992 bis 2013 forderten 24.559 Todesopfer. 46.358 Personen waren nach ihrem Unfall arbeitsunfähig. Die von Çelik veröffentlichten Zahlen enthalten allerdings nur die, die registriert sind und keine illegalen Arbeiter. Außerdem fehlen jene, die an den Spätfolgen solcher Unfälle versterben.

Immer wieder muss sich die Türkei Kritik wegen schlechter Arbeitssicherheit gefallen lassen. Die zuständigen Arbeitsbehörden würden häufig nicht die notwendigen Inspektionen durchführen und Vorkehrungen, um die Arbeitnehmer zu schützen, würden nicht umgesetzt (mehr hier). Auch aus der Opposition hagelt es Kritik. So wirft der CHP-Abgeordnete Gürkut Acar der AKP die Einführung der Sklaverei in der türkischen Arbeitswelt vor. Es sei für viele nur ein Traum, eine Stelle mit Sozialversicherungsansprüchen zu ergattern. Eine Mehrheit sei gezwungen, für Mindestlöhne und als Subunternehmer zu arbeiten, ohne Gewerkschaften oder Arbeitsplatzsicherheit. So seien aus Arbeitsunfällen Arbeitsmorde geworden.

In der türkischen Provinz Zonguldak wurden erst im vergangenen August nach einem Einsturz erneut neun Bergleute unter Tage eingeschlossen. Damals konnten die Kumpel gerettet werden. Die Mine soll illegal betrieben und schon mehrmals mit Strafen belegt worden sein (mehr hier).

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