Saudi Arabiens verschleierte Komikerin: 22-Jährige wird zum echten Internet-Star

Die junge Frau trägt einen Schleier und witzelt dennoch unverblümt über die Elite der von Männern dominierten Gesellschaft Saudi-Arabiens. In sozialen Netzwerken hat die Komikerin bereits Tausende Fans. Doch nicht bei allen kommt sie gut an.

Ein Schleier und ein Pseudonym verbergen die Identität der jungen saudischen Komikerin, die in sozialen Netzwerken zur Sensation wurde. Mit ihren kritischen Videoclips, in denen sie das Leben der saudischen Eliten aufs Korn nimmt, machte die 22-Jährige von sich Reden. Auf ihrem Instagram-Account hat die Komikerin namens Amy Roko mittlerweile etwa 350 000 Follower.

Mit bissigem Humor führt Amy vor, wie Frauen in ihrer Heimat als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden, berichtet die dpa. Im streng muslimischen Saudi-Arabien haben Frauen wenig Rechte – sie dürfen in dem konservativen Königreich nicht einmal Auto fahren. Doch die junge Komikerin bietet in ihren Clips der von Männern dominierten Gesellschaft die Stirn.

In einem Clip bittet ihr Bruder den Vater um Geld und bekommt es. Als Amy den Vater um das Gleiche bittet, antwortet dieser: «Ich habe dir letzte Woche welches gegeben!» Doch Amy weiß sich zu helfen. Als der Vater sie dazu auffordert, das Frühstück zuzubereiten, kontert sie schnell: «Ich habe dir letzte Woche Frühstück gemacht!»

Die Videos der jungen Frau beeindruckten nicht nur die Internet-Nutzer. Selbst der arabische Sender Al-Arabija berichtete über Amy. Der Ruhm brachte ihr aber auch Schwierigkeiten – auch bei Frauen. Denn auch die reichen und verwöhnten Mädchen und Frauen des Landes blieben von Amys Kritik nicht verschont.

Das Thema ist ein wunder Punkt in dem ölreichen und konservativen Königreich, in dem Frauen von der Arbeitswelt ferngehalten werden. Amy imitierte in ihren Videos die kokett und zugleich albern anmutende Sprache der arabischen Frauen und wie sie mit ihren teuren Klamotten prahlen. Als es nach anfänglichem Lob in den sozialen Netzwerken zunehmend Kritik hagelte, entschuldigte sich Amy über Twitter bei allen Frauen, die sie mit der Verspottung des arabischen Oberschichten-Jargons beleidigt habe.

Viele ihrer Landsfrauen sind jedoch stolz darauf, wie Amy mit ihren witzigen Clips Wellen schlägt. Sie unterstützen die Komikerin: «Ich habe dich im Fernsehen gesehen, du warst toll, intelligent und cool», twittert eine Nutzerin. «Mach mit deiner guten Arbeit weiter und tatsächlich – der Hidschab macht dich aus.» Das Kopftuch und der Schleier sind in der Tat zu Amys Markenzeichen geworden. Die junge Frau twitterte kritisch über Fälle, in denen muslimische Frauen im Westen für ihre Verschleierung diskriminiert worden seien.

Häufig verhüllt Amy auch ihre Kritik: Statt direkter Worte zitiert sie lieber berühmte Persönlichkeiten. Dabei greift sie auf Aussagen zurück, die in Saudi-Arabien besonderes Aufsehen erregen – einem Land, in dem Polygamie Zuspruch erfährt und Homosexualität als Verbrechen gilt. «Um sich an ihrem untreuen Ehemann zu rächen, schlief Frida Kahlo mit den Frauen, mit denen er sie betrogen hatte», lautet einer von Amys Tweets.

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