Minecraft-Urteil gefallen: Türkisches Familienministerium will Videospiel verbieten

Das türkische Ministerium für Familie und Sozialpolitik ist zu dem Schluss gekommen, dass das bekannte Videospiel „Minecraft“ zu gewaltätig ist. Die Justiz soll jetzt entscheiden, ob es in der Türkei tatsächlich zu einem Verbot des Open-World-Spiels kommt. Wenn ja, wäre das weltweit wohl einmalig.

Erst Mitte Februar dieses Jahres hatte das türkische Ministerium für Familie und Sozialpolitik eine Untersuchung gegen das Videospiel „Minecraft“ eingeleitet. Die Behörden vertraten die Ansicht, dass das bekannte Open-World-Spiel Gewalt, insbesondere gegen Frauen, fördere. Die Untersuchung zielte darauf ab zu kontrollieren, ob das Spiel tatsächlich Motive enthält, die Gewalt bei seinen Spielern auslösen könnte.

Die Befürchtungen, dass das populäre Spiel in einfacher Lego-Optik tatsächlich ein Gefahrenpotential berge, hat sich nun zumindest in den Augen des Ministeriums bestätigt, wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet. Der von der für Kinder zuständigen Generaldirektion angefertigte Bericht sei nun zur zuständigen Rechtsabteilung weitergeleitet worden. Diese sei angewiesen worden, möglichst zügig ein Gerichtsverfahren zum Verbot des populären Spiels in Gang zu bringen. Es wird erwartet, dass bereits in Kürze eine entsprechende Strafanzeige gestellt wird.

Anlass für die vor gut einem Monat eingeleitete Untersuchung seien die zahlreichen Beschwerden gewesen, die an das Ministerium herangetragen worden seien, hieß es in den türkischen Medien. Dabei sei es vor allem um die Gewalt gegen Frauen gegangen (mehr hier).

Obwohl das Spiel die Kreativität bei Kindern fördert, indem sie Häuser bauen, Äcker bestellen und Brücken kreieren, müssen auf der anderen Seite Mobs [feindliche Kreaturen] getötet werden, um diese Strukturen zu schützen. Kurz gesagt, das Spiel basiert auf Gewalt“, zitiert die Zeitung aus dem Report. Das Ministerium befürchtet, dass manche Kinder nicht zwischen der virtuellen und der realen Welt unterscheiden könnten, nachdem sie das Online-Game gespielt hätten. Das könnte sogar soweit gehen, dass sie Tiere quälten und sich nicht einmal bewusst wären, dass diese Schmerzen empfinden. Weiterhin fürchtet das Ministerium, dass es zu einer „sozialen Isolation“ oder „Cyber-Bullying“ kommen könnte. Der Bericht bezieht sich dabei beispielhaft auf die potentielle Spielerfahrung eines neunjährigen Kindes.

Diskussionen über vermeintlich gewalttätige Elemente in „Minecraft“ gibt es nicht nur in der Türkei. Auch in den USA flammen derartige Debatten immer wieder auf. Angeheizt wurde diese etwa im Jahr 2013 durch den Fall eines neunjährigen Jungen aus Florida, der das Spiel nachahmen und Messer, einen Hammer und eine Waffe mit in die Schule genommen hatte – eben wie seine Videospiel-Helden. Der Schüler wurde daraufhin zu Hausarrest verurteilt. Auf der anderen Seite setzte übrigens im gleichen Jahr eine schwedische Schule auf das Spiel als Unterrichtsinstrument, um die Kreativität der Schüler zu fördern, berichtete WinFuture.

Eine Studie des amerikanischen Psychologen Dr. Christoph Ferguson von der Texas A&M Internationl University legte jedoch bereits 2011 einen positiven Einfluss von  so genannten Killerspielen nahe, so das Fachblatt Chip. Junge Erwachsene, die Gewaltspiele spielten, könnten den Wissenschaftlern zufolge besser mit Stress umgehen und reagierten weniger depressiv und aggressiv auf frustrierende Aufgaben. Für die Studie seien die 103 Probanden mit einem PASAT-Test (Progressiver Auditiver Serieller Additions-Test) konfrontiert worden. Einen Zusammenhang zwischen Gewalt in Computerspielen und Gewalt im realen Leben habe der Psychologe nicht feststellen können.

„Minecraft“ hat weltweit mehr als 100 Millionen Spieler. Ein Buch über das Spiel ist nach Angaben der Hürriyet eines der meistverkauften Bücher für Kinder in der Türkei. In nur sieben Monaten seien 80.000 Exemplare verkauft worden. Kommt es nun tatsächlich zu einem Verbot in der Türkei, dürfte das ziemlich einmalig sein. Nach Angaben von Önder Kaplan, von der Vereinigung der Internet Cafes in Ankara, sei das Spiel bislang von keinem einzigen Land verboten worden.

Die Befürchtungen des türkischen Ministeriums könnten jedoch leicht zerstreut werden, wie das Fachportal Gamesbeat berichtet. Zu Wort kommt hier ein Sprecher von Mojang, dem Entwicklerstudio von Minecraft. Dieser schlägt vor, doch einfach im Kreativmodus zu spielen oder alternativ in den Spieleinstellungen die Option „friedlich” anzuklicken – die kommt ganz ohne wilde Kreaturen aus.

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