Wirtschaftsminister: Schwacher Euro ist schuld am türkischen Exporteinbruch

Der türkische Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci ist der Ansicht, dass der schwache Euro den türkischen Ausfuhren schade. Dieser sei für den deutlichen Rückgang in den ersten beiden Monaten des Jahres 2015 verantwortlich. Die Interventionen der Notenbank, um die heimische Währung zu stützen, hält er jedoch für unnötig.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwoch zeigte Zeybekci die Entwicklung des zurückliegenden Jahres auf. Für ihn ist eindeutig: Läge der Wechselkurs auf dem letztjährigen Niveau, sähe die Exportlage für die Türkei heute wesentlich anders aus.
Zeybekci zufolge habe der Wechselkurs des Euros zum Dollar im Januar vergangenen Jahres bei 1,36 gelegen. In diesem Jahr aber hätte ein Euro durchschnittlich nur noch 1,16 Dollar gekostet. Am Mittwoch sei der Euro sogar schon für weniger als 1,10 Dollar zu haben gewesen.

Für den Wirtschaftsminister ist klar: Hätte es 2015 ähnliche gute Eurowerte wie im vergangenen Jahr gegeben, wären die Exporte zu Beginn des Jahres um 4,5 Prozent gewachsen, statt um 3,5 Prozent zu sinken. Das berichtet die türkische Zeitung Sabah. Nach Informationen der Vereinigung türkischer Exporteure (TIM) sind die türkischen Gesamtexporte im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar um 9,8 Prozent gefallen. In Dollar ausgedrückt, gingen die Exporte von zwölf Milliarden Dollar auf 10,8 Milliarden Dollar zurück (mehr hier).

Die Türkei hat ein Zollunion-Abkommen mit der Europäischen Union (mehr hier). Derzeit gehen etwa 40 Prozent der türkischen Exporte in die Länder dieses Handelsblocks. Die türkischen Unternehmen bezahlen aber mehr als 60 Prozent ihrer Importe in US­-Dollar. Die Profite, die der schwache Euro den Unternehmen beschert, werden von dem starken Dollar aufgefressen.

In Bezug auf die aktuelle Volatilität der türkischen Lira erklärte Zeybekci, dass er die Interventionen der Notenbank zur Eindämmung eines weiteren Kursverfalls für unnötig erachte, da diese dem starken Dollar geschuldet sei. „Im Zeitraum von acht Monaten sank der Euro um 25 Prozent gegenüber dem Dollar und die türkische Lira sank um 23 Prozent“, so Zeybekci. Seit der Dollar gegenüber den weltweit wichtigsten Währungen an Wert zugelegt habe, halte er die Interventionen der türkischen Notenbank für unnötig.

Zeybekci wies zwar darauf hin, dass die jüngsten Zinssenkungen der Zentralbank ein Schritt in die richtige Richtung gewesen wären. Allerdings sei er hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Die türkische Regierung hat die Zentralbank wiederholt für die Aufrechterhaltung einer restriktiven Geldpolitik kritisiert, die, so die Regierung, das Wachstum des Landes begrenze. Die türkische Zentralbank (CBRT) hatte zuletzt den Leitzins um 0,25 Prozent auf 7,5 Prozent gesenkt, was Präsident Erdoğan und andere Regierungsminister nicht als hinreichend erachten, um die türkische Wirtschaft anzukurbeln (mehr hier).

Bereits Ende Januar hatte die Türkei den Leitzins überraschend gesenkt und sich damit der Politik der EZB angenähert, die versucht, die Exporte durch eine Abwertung anzukurbeln.

Durmuş Dündar, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Istanbul, unterstützt jedoch die Mini-Zinssenkung der Zentralbank: Die türkische Notenbank richte sich nach ihren Daten und den weltweiten Trends. Es sei eine objektive Entscheidung gewesen. Die Zentralbank habe richtig gehandelt, selbst wenn Erdoğan nicht damit übereinstimme. Dündar wörtlich: „Ich frage mich, ob der Präsident niedrigere Wechselkurse haben möchte. Strebt er eigentlich eine Entwertung der Währung an?“

In der vergangenen Woche hatte Erdoğan bei der Zentralbank interveniert, die Zinssätze noch niedriger anzusetzen. Der Konflikt ist vor dem Hintergrund der Parlamentswahlen in kommenden Juni zu betrachten. Denn eine spürbare Erholung der Wirtschaft könnte die Chancen der regierenden AK-Partei erhöhen, bei der Parlamentswahl im Juni eine Zweidrittel-Mehrheit zu erringen.

Indessen bekräftigte Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank. Die türkische Regierung müsse verstehen, dass die Notenbank unabhängig sei und ihre eigenen Entscheidungen fälle, so Davutoğlu. Indirekt sich lassen seine Äußerungen jedoch auch als Tadel an Staatschef Erdoğan deuten. Davutoğlu unterstrich jedoch, man wolle mehr Wirtschaftswachstum, und für mehr Wachstum weniger Inflation und niedrigere Zinsen.

Mehr zum Thema:

Exporte: Die Türkei kann auch ohne Europa
Türkei: Starker Export-Zuwachs in Nicht-EU-Länder
Handel: Istanbul exportiert die Hälfte aller türkischen Waren

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.