Französische Sicherheitsbehörden diskriminieren junge Muslimin

Asiye Bilgin wurde am Flughafen gezwungen sich zu entkleiden. Die stellvertretende Vorsitzende der Brüsseler Niederlassung der in der Türkei regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AK-Partei) reagierte mit deutlicher Kritik auf das diskriminierende Verhalten des französischen Sicherheitspersonals und der Polizei.

Die stellvertretende Vorsitzende der Brüsseler Niederlassung der in der Türkei regierenden AK-Partei wurde am Dienstagabend auf einer Dienstreise am Straßburger Flughafen gedrängt, ihren Blazer auszuziehen. Bilgin entgegnete den Beamten, dass sie unter ihrem Blazer lediglich ein ärmelloses Shirt trage und sie diesen aufgrund ihrer religiösen Überzeugung nicht vor allen Menschen, sondern nur in einer Kabine ausziehen könne.

„Gegen Menschenrechte und Religionsfreiheit“

Zudem wies sie die Angestellten darauf hin, dass deren „Verhalten weder mit der Religionsfreiheit noch den Menschenrechten vereinbar“ sei. Die Polizei und das Sicherheitspersonal am Flughafen sollen Bilgins Vorschlag abgelehnt und sie entgegen ihren religiösen Befindlichkeiten durchsucht sowie wörtlich angegriffen haben. Die Sicherheitsbehörden, die laut geworden sein sollen, erwiderten laut Bilgins Aussage: „Wir sind hier in Straßburg, hier gibt es keine Kabinen. Sie werden sich jetzt entkleiden!“ Daraufhin blieb der Diplom-Kauffrau nichts anderes übrig, die Durchsuchungen des Sicherheitspersonals über sich ergehen zu lassen.

Vor den Augen von EU-Abgeordneten

Bilgin zeigte sich überdies traurig darüber, dass diese entwürdigenden Szenen sich vor den Augen einiger Europaabgeordneten zuspielten, die nichts dagegen unternahmen. Die stellvertretende Vorsitzende der Brüsseler Niederlassung der in der Türkei regierenden AK-Partei sagte: „Kopftuchtragende Musliminnen werden von denen entwürdigt, die meinten, sie verträten universelle Werte“. Traurig genug, dass dies vor „Leuten, geschieht, die die Türkei in Sachen Menschen- und Freiheitsechten zu belehren versuchen“. Die muslimische Akademikerin zeigte sich auch erbost darüber, dass „Muslime in Europa, wie die Schwarzen in den USA als Menschen zweiter Klasse behandelt werden“ und kündigte an, juristische Schritte einlegen.

Thema kommt vor dem türkischen Parlament zur Sprache

Der Istanbuler AKP-Abgeordnete und stellvertretender Vorsitzender der AKP für Außenbeziehungen, Metin Külünk, missbilligte das diskriminierende Verhalten der französischen Behörden nicht nur via Twitter. Külünk beantragte am Mittwoch ein außerordentliches Rederecht vor der türkischen Nationalversammlung in Ankara. In seiner Rede vor den Abgeordneten wies Külünk darauf hin, dass einige Staaten in Europa sich in letzter Zeit mit großen Schritten von den universellen Werten entfernten, für die sie scheinbar stünden. Külünk warf diesen Staaten „Unaufrichtigkeit“ vor. „Vor dem Hintergrund rassistischer- und ausländerfeindlicher Angriffe auf bestimmte Volks- und Religionsgruppen in Europa“, sei das ein „Bankrott“ der Werte, für die Europa stehe.

Entschuldigung gefordert

Der Abgeordnete forderte eine Entschuldigung der französischen Polizei gegenüber Asiye Bilgin und der Türkei und sagte: „Dieses Verhalten ist nicht nur Ausdruck von Ausländer- und Islamfeindlichkeit. Es hat auch eine Dimension der Religionsfeindlichkeit.“ Der Istanbuler Abgeordnete machte zudem mit Bildern auf die Islamfeindlichkeit und den Rassismus aufmerksam. Er hielt mitgebrachte Fotos hoch, auf denen gebrandschatzte Moscheen aus Europa, von Neonazis schwer verletzte Menschen oder Hakenkreuzschmierereien an Moscheen und Hauswänden zu sehen waren.

Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland – Deutscher Islam?” sowie „nach-richten: Muslime in den Medien”.

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