„Du verdienst eine Vergewaltigung“: Religionslehrerin an türkischer Schule sorgt für Skandal

Im nordtürkischen Tokat regt sich derzeit Widerstand der Eltern gegen eine Religionslehrerin an einer Mittelschule. Sie fordern die Entlassung der Frau, nachdem sie Mädchen ohne Kopftuch erklärt habe, dass sie eine Vergewaltigung verdienen würden. Außerdem kritisierte sie die Teenager für ihre Teilnahme an einer Demonstration für die ermordete Studentin Özgecan Arslan.

Der Fall kam ans Licht, nachdem sich einige Schülerinnen ihren Eltern anvertrauten. Eine Entschuldigung Religionslehrerin konnte die Situation jedoch nicht entschärfen. Die besorgten Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder weiterhin von dieser Frau unterrichtet werden.

„Ihr tragt kein Kopftuch, somit ist für euch Vergewaltigung und Schlechtes [im Islam] zulässig“, soll L.Y.İ. nach Angaben der Eltern zu ihren Schülerinnen einer siebten Klasse an der Halil Rıfat Paşa Mittelschule am 9. März gesagt haben.

Zugetragen habe sich die Szenerie in einer gemischten Koranklasse, so die türkische Zeitung Hürriyet. Die Lehrerin soll sich durch den Geräuschpegel gestört gefühlt haben. Die 17 Schüler des Wahlfachs hätten sich lieber unterhalten, anstatt der Lehrerin zu folgen.

Nach Angaben der Eltern soll die Religionslehrerin sich außerdem an der Teilnahme der Schüler an einer Demonstration für die ermordete Studentin Özgecan Arslan (mehr hier) gestört haben. Den Mädchen soll sie erklärt haben, dass diese lieber hätten beten, anstatt zur Veranstaltung gehen sollen.

Der Schulleiter Mahmut Demirbağ habe mittlerweile versucht, die Wogen zu glätten, so das Blatt weiter. Den Eltern erklärte er, dass sich die Lehrerin für ihre Kommentare entschuldigt habe. Einigen reichte das allerdings nicht aus. Sie fordern weiterhin ihre Entlassung und drohen zudem mit einer Klage. „Sie beleidigt 13-jährige Mädchen für das Nicht-Tragen eines Kopftuchs während einer Koran-Klasse, die Wahlfach ist. Diese Lehrerin kann meine Tochter nicht belehren“, zitiert das Blatt ein Elternteil.

In den Fall hat sich unterdessen auch der Bildungsdirektor von Tokat, Levent Yazıcı, eingeschaltet. Eine offizielle Untersuchung des Falls sei ihm zufolge bereits eingeleitet worden. Die Lehrerin sei vorübergehend an eine andere Schule versetzt worden.

Die Wahlfächer zum Thema Koran und dem Leben des Propheten Mohammed gibt es in der Türkei erst seit 2012. Im Rahmen dessen ist den Schülerinnen auch das Tragen eines Kopftuches gestattet (mehr hier). Eingeführt wurden die Klassen im Rahmen der umstrittenen 4+4+4 Bildungsreform der türkischen Regierung. Der Religionsunterricht der Klasse ist auf der anderen Seite obligatorisch.

Erst im September 2014 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die Türkei im Zuge einer Klage von Aleviten jedoch dazu verpflichtet, den staatlichen Islamunterricht als Pflichtfach an staatlichen Schulen abzuschaffen. Ankara wurde damit dazu verpglichtet, „die Teilnahmepflicht am sunnitisch geprägten Religionsunterricht für muslimische Schüler aufzuheben“, berichtet der humanistische Pressedienst. Die Regierung habe sich bislang dieser Entscheidung widersetzt, die nun in letzter Instanz entschieden worden sei.

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