Neuer Mega-Tunnel in Istanbul: Stadtverwaltung gibt grünes Licht

Die Istanbuler Stadtverwaltung hat einem neuen dreistöckigen Tunnelprojekt unter dem Bosporus hindurch grünes Licht gegeben. Das Vorhaben war Ende Februar von Premier Ahmet Davutoğlu bekannt gegeben worden. Das 3,5 Milliarden-Dollar-Vorhaben stößt bei der Opposition jedoch auf Widerstand.

Das Tunnel-Projekt klingt ambitioniert. Ob es tatsächlich realisiert werden kann, steht auf einem anderen Blatt. (Screenshot Business Insider)

Das Tunnel-Projekt klingt ambitioniert. Ob es tatsächlich realisiert werden kann, steht auf einem anderen Blatt. (Screenshot Business Insider)

Das Tunnelprojekt stand am 11. März auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Unterstützt wurde das Vorhaben durch einen gemeinsamen Bericht der Kommission für Transport und Verkehr sowie der für Entwicklung und öffentliche Arbeiten.

Der jüngste Tunnel unter dem Bosporus soll 6,5 Kilometer lang werden und 110 Meter unter dem Meeresspiegel verlaufen. Die Reisezeiten sollen sich durch das Projekt auf nur noch 14 Minuten verkürzen. Hiesige Medien bezeichnen das Bauvorhaben derzeit als „verrücktes Projekt“. Ausländische Medien halten es hingegen für ambitioniert. Läuft alles glatt, könnte er bereits 2020 eröffnet werden (mehr hier).

Während der Debatte am vergangenen Mittwoch brachte jedoch die CHP ihre Bedenken vor. Die Oppositionspartei zeigte sich nicht damit einverstanden, wie das Projekt an den Stadtrat herangetragen wurde und forderte eine Neubewertung inklusive der Sichtweisen nichtstaatlicher Organisationen, so die türkische Zeitung Hürriyet. Dieses Ansinnen sei von der AKP allerdings abgelehnt worden. Nach einer einstündigen Debatte sei der Kommissions-Report schließlich angenommen worden.

Noch vor derAbstimmung habe der CHP-Abgeordnete Ertuğrul Gülsever darauf hingewiesen, dass der Tunnel nicht Teil des 1/100.000 Flächennutzungsplan sei, der zuvor als „die Verfassung von Istanbul“ von Istanbul Bürgermeister Kadir Topbaş angekündigt worden wäre. Dem Abgeordneten zufolge fehle es zudem an einer Umweltverträglichkeitsprüfung (CED) sowie einer gründlichen Budget-Einschätzung.

Dieses Projekt war eine Investition für die bevorstehenden Wahlen im Juni. Es ist eine Schande, dass wir keine Chance hatten, das gründlich zu besprechen“, so Gülsever. Als ein in Istanbul lebender Bürger erachte er es als respektlos, dass  ihnen dieses Projekt ohne Besprechung des Flächennutzungsplans, des Haushalts und seiner Auswirkungen auf die Umwelt und den Verkehr auferlegt worden sei.

Die CHP sei im Grunde nicht gegen Mega-Projekte, so Gülsever weiter. Doch dieses ohne die Rücksprache mit anderen Organisationen, Institutionen und Wirtschaftsverbänden in den Rat einzubringen, missfalle.

Die regierende AKP teilte diesen Standpunkt nicht. Das Tunnelprojekt entspräche sehr wohl rechtlichen als auch Umwelt-Auflagen. „Es gibt keine rechtliche Problem in Bezug auf das Projekt. Wir haben nichts überstürzt“, sagte Abubekir Taşyürek, stellvertretender Vorsitzender der AKP im Rat. Das Ministerium für Verkehr und Kommunikation, das Ministerium für Umwelt und Stadtplanung sowie Experten aus der Gemeinde Istanbul würden an diesem Projekt seit Monaten arbeiten. Ihm zufolge sei der Mega-Tunnel auch ein umweltfreundliches Projekt. So würde der Heizölverbrauch aufgrund des Projekts um rund 54 Millionen Liter sinken. Auch die Kohlenstoffemissionen  würden um 175 Tonnen pro Jahr verringert werden. Zudem würde das Projekt die Stadtsilhouette nicht beschädigen. Zu den Grundlagen der Berechnungen äußerte er sich allerdings nicht.

Der türkische Verkehrsminister Lütfi Elvan gab bereits Anfang März zu verstehen, dass der Staat sich nicht an den Kosten beteilige. Das ganze Projekt soll durch private Investoren finanziert werden. Wer den Tunnel letztlich realisiert, soll kurz nach den Parlamentswahlen am 7. Juni dieses Jahres bekannt gegeben werden, so das türkische Nachrichtenportal Worldbulletin. Verlaufe alles nach Plan, werde der Tunnel im Jahr 2020 eröffnet.

Nach Einschätzung von Alex ChristieMiller, einem in Istanbul ansässigen Journalisten, spielen die bevorstehenden Wahlen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung des Projekts. Er gibt zu Bedenken, dass das wirtschaftliche Klima in der Türkei für derartige Mega-Projekte derzeit eher „säuerlich“ wäre. „Das Problem ist, dass es sehr schwer ist, sich für solche Projekte eine ausländische Finanzierung zu sichern. Daneben kämpft die türkische Regierung damit, genug inländische private Investoren zu finden.In diesem Kontext erscheint es  ihm daher sehr gut möglich, dass dieser Tunnel nie umgesetzt werde.

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