Facebook-Nutzerdaten: Nur Indien stellt mehr Anfragen als die Türkei

Die Türkei liegt weltweit auf Platz 2, wenn es um Anfragen an Facebook geht. Getoppt wird die türkische Regierung einzig von Indien. Das geht aus dem aktuellen Global Government Requests Report des Sozialen Netzwerks hervor.

Der Facebook-Report platziert die Türkei bei den Anfragen aktuell nicht nur auf Rang zwei im internationalen Vergleich, sondern weist außerdem auf einen leichten Anstieg der staatlichen Anträge für Account-Daten in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 hin.

Allein zwischen Juli und Dezember 2014 wurden in der Türkei ganze 3624 Inhalte beschränkt. In der ersten Jahreshälfte seien es nur 1893 gewesen, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Getoppt hätte das nur Indien mit 5832 beschränkten Inhalten.

Facebook gab bekannt, dass in der zweiten Jahreshälfte 2014 insgesamt 165 Anfragen über 278 Benutzer / Konten von der türkischen Regierung eingereicht wurden. Der prozentuale Anteil der Anfragen, für die einige Daten erstellt wurden, habe bei 70,91 Prozent gelegen.

Reagiert habe man vor allem auf Eingaben der türkischen Gerichte und der türkischen Telekommunikationsbehörde, die sich auf das türkische Gesetz Nummer 5651 beriefen. Dieses umfasst gleich eine ganze Reihe von Straftaten, einschließlich der Verleumdung von Atatürk, persönliche Rechtsverletzungen oder die Verletzung der Privatsphäre.

In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres habe die türkische Regierung demnach 153 Anfragen zu 249 Benutzern/Konten gestellt. In 60,78 Prozent der Anträge sei man aktiv geworden. Insgesamt seien 1893 Inhalte zwischen Januar und Juni 2014 beschränkt worden.

Alles in Allem erhöhten sich die Anträge auf Kontodaten auf 35.051 in der zweiten Jahreshälfte 2014 von 34.946 in der ersten Hälfte. Während die Anfragen unter anderem aus Indien zunahmen, seien sie aus Staaten wie den USA und Deutschland rückläufig gewesen. In der zweiten Jahreshälfte seien 9707 Inhalte in den beiden Top-Staaten aufgrund von Verletzungen nationalen Rechts beschränkt worden. Das wären elf Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2014 gewesen, 5.832 Stück Indien und 3624 in der Türkei.

Facebook-Managerin Monika Bickert zufolge, wolle das Unternehmen auch weiterhin alle Regierungsanfragen kritisch prüfen. Gleichzeitig wolle man aber auch die Regierungen auf der ganzen Welt dazu bewegen, ihre Überwachungspraktiken in einer Weise zu reformieren, dass die eigene Sicherheit sowie die Sicherheit ihrer Bevölkerung beachtet und gleichzeitig ihre Rechte und Freiheiten geschützt seien.

Facebook legt aktuell den dritten Bericht über Behördenanfragen vor. Facebook setzt eigenen Angaben zufolge strenge Prozesse für den Umgang mit diesen Behördenanfragen ein. Jede einzelne Anfrage, die das Unternehmen erhalte, werde auf rechtliche Hinlänglichkeit geprüft. Zudem werde von den staatlichen Stellen eine detaillierte Darlegung der rechtlichen und sachlichen Grundlagen ihrer Anfrage gefordert. Die Anfrage werde abgewiesen, wenn Rechtsmängel oder eine übermäßig breite oder vage Informationsanforderung festgestellt werde. Selbst wenn man feststelle, dass das Unternehmen nach lokalem Gesetz zur Offenlegung verpflichtet wäre, gebe man häufig nur allgemeine Nutzerinformationen heraus.

Hier geht es zum vollständigen Facebook-Bericht.

 

Mehr zum Thema:

Facebook Transparency Report: Türkei erwirkt Löschung von über 2000 Inhalten
Facebook zensiert anti-türkische Inhalte
Internetzensur: Nur China ist schlimmer als die Türkei

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.