2,2 Millionen Dollar für Syrien: Türkische Ärzte spenden ihr Gehalt an Kollegen im Nachbarland

Die Istanbuler Niederlassung der internationalen Organisation Doctors Worldwide will den syrischen Kollegen tatkräftig unter die Arme greifen. Um die Situation im türkischen Nachbarland zu verbessern, spenden die Mediziner ihr Gehalt. Zusammenkommen sollen im Rahmen einer Spendenkampagne rund sechs Millionen türkische Lira, umgerechnet gut 2,2 Millionen US-Dollar.

Anlässlich des Ärztetages am 14. März taten sich die Istanbuler Mitglieder von Doctors Worldwide zusammen, um ihre Gehälter den Kollegen in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Nachbarland zu spenden. Insgesamt sollen mehr als zwei Millionen US-Dollar zusammenkommen.

Die Doktoren stellten heraus, dass ihre syrischen Kollegen auch in der momentan prekären Lage nicht aufgäben und ihre Arbeit auf freiwilliger Basis fortsetzten. Geld würden sie für ihren Einsatz aber nicht erhalten, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Kerem Kinik, den Vorstandsvorsitzenden der Istanbuler Organisations-Niederlassung.

Der Konflikt in Syrien dauert mittlerweile seit 2011 an. Damals schlug das Regime von Präsident Bashar al-Assad Proteste gegen die Regierung gewaltsam nieder. Die Folgen seither sind verheerend: Der Bürgerkrieg beschwor eine akute Flüchtlingskrise herauf.  Nicht weniger als 3,8 Millionen syrische Flüchtlinge suchten und suchen nach wie vor Zuflucht in Nachbarländern wie der Türkei, Jordanien, Libanon und im Irak.

Diejenigen, die weiterhin in Syrien ausharren, haben es seither nicht nur mit blanker Gewalt und einer teils völlig zerstörten Infrastruktur zu tun. Auch die medizinische Versorgung hat sich gravierend verschlechtert. Doctors Worldwide zufolge seien von einst 36.000 Ärzten nur noch 5000 in Syrien.

Auch Ärzte ohne Grenzen beschreibt die Situation als fatal. Seit August 2011 versorgt die Organisation landesweit medizinische Einrichtungen in den am stärksten vom Syrien-Konflikt betroffenen Regionen mit Medikamenten und dringend benötigten Hilfsgütern. Zur aktuellen Situation heißt es:

„Das syrische Gesundheitssystem ist mittlerweile zusammengebrochen, und Tausende medizinische Fachkräfte sind aus dem Land geflohen. Andere, die geblieben sind, wurden aufgrund ihrer Tätigkeit gezielt angegriffen. Der Bedarf an medizinischer Hilfe in Syrien ist daher immens.“

Das Auswärtige Amt schätzt die Lage derzeit so ein:

„Das Versorgungsniveau ist zumindest in Damaskus gut bis befriedigend. Außerhalb der Hauptstadt ist allerdings mit größeren Einschränkungen zu rechnen.“

Mit der Kampagne namens „Syria needs that doctor“ sollen nun sechs Millionen Türkische Lira bzw. rund 2,2 Millionen US-Dollar gesammelt werden, um die Löhne von 1.000 syrischen Ärzten für ein Jahr bestreiten zu können. „Wir wollen das Geld so schnell wie möglich zusammenbekommen und es direkt in den Krankenhäusern übergeben, in denen sie arbeiten“, so Kinik weiter. Die Spenden seien dabei nicht nur eine Gelegenheit, direkt zu helfen. Sie seien auch eine echte Gelegenheit der Welt zu zeigen, was diese Ärzte leisteten.

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