Bildungs-Investment: Türkische Studenten geben jährlich 1,5 Milliarden Dollar für ihr Auslandsstudium aus

Der Wunsch junger Leute nach einer internationalen Ausbildung hat sich mittlerweile zu einer weltweiten Industrie entwickelt. Auch die türkischen Studenten nehmen am Bildungstourismus teil. Jährlich lassen sie sich ihr Studium fernab der Heimat stolze 1,5 Milliarden Dollar kosten.

Einen Einblick in die aktuellen Trends unter jungen türkischen Akademikern gab Deniz Akar, Generalmanager bei der International Educations Fairs of Turkey (IEFT). Seiner Ansicht nacht sei das Thema Auslandsstudium zu einem echten Industriezweig avanciert. Und die Türkei mischt ganz vorne mit.

Im Interview mit der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu gibt Akar an, dass die Türkei aktuell auf Platz fünf derjenigen Länder stehe, die den meisten Nachwuchs zu Ausbildungszwecken ins Ausland schicken würden. Jährlich seien das rund 90.000 türkische Studentinnen und Studenten. Ganze 35.000 von ihnen nutzten die Zeit fernab von zuhause explizit um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Wo die Präferenzen der jungen türkischen Generation liegen, zeigt der Fachmann ebenfalls auf. Akar zufolge würde eine große Mehrheit der Studenten die USA bevorzugen, gefolgt von Großbritannien, Malta, Kanada, Australien, Deutschland, Frankreich und Italien.

Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hätten mit Stand des Jahres 2011 4,3 Millionen Studenten ihr Heimatland verlassen, um sich im Ausland weiterzubilden. Dafür hätten sie gut 100 Milliarden Dollar ausgegeben. Zum Vergleich: 1990 lag ihre Zahl bei rund 1,3 Millionen. „Dies trägt wesentlich zur Entwicklung des Sektors bei“, so auch Akar. Allein die USA, die die größte Zahl von Studenten beherberge, erwirtschafte damit einen Gewinn von 20 Milliarden Dollar pro Jahr. Diese Zahl sei größer als die der National Aeronautics and Space Administration (NASA), die 19 Milliarden Dollar jährlich zur US-Wirtschaft beitrage. Und dies sei der Grund, warum in anderen Ländern die Bemühungen anzögen, um mehr ausländische Studenten anzulocken.

 Der Besuch einer ausländischen Universität kostet im Schnitt 10.000 Dollar. Leicht können sich die jährlichen Kosten jedoch auf gut 20.000 Dollar belaufen. Wie wichtig diese Investitionen für die Türkei sind und welchen Wert das Land den Themen Forschung und Entwicklung mittlerweile beimisst, dazu äußerte sich TÜBİTAK-Präsident Yücel Altunbaşak bereits 2012. Das Land stelle nun das 60-fache seiner Ressourcen für Forschung und Entwicklung zur Verfügung. Darüber hinaus sei die Zahl der türkischen Wissenschaftler in den vergangenen zehn Jahren von 20.000 auf 64.000 angewachsen. Doch obgleich das eine sehr schöne Zahl sei, sei sie keineswegs ausreichend. Ganz im Gegenteil sei sie nicht das Ziel, das man sich erhofft habe. „Die Türkei braucht 250.000 Forscher“, macht Altunbaşak den anhaltenden Mangel deutlich. Die Türkei braucht dringend mehr akademischen Nachwuchs (mehr hier).

Umgekehrt gibt es in der Türkei und in Polen derzeit die geringste Anzahl an internationalen Studenten innerhalb der OECD. Mit einer Rate von nur einem Prozent liegen beide Staaten am unteren Ende der Skala. Dennoch hat die Türkei in dieser Hinsicht in den vergangenen zehn Jahren deutliche Fortschritte gemacht. So soll die Türkei zwischen 2006 und 2011 seine Zahl an ausländischen Studierenden von 15.000 auf 30.000 verdoppelt haben. Die größte Gruppe stammt nach Angaben des Portals Study in Turkey mit 4.200 Studierenden aus Aserbaidschan, dicht gefolgt von Turkmenistan mit 4.100 Studenten und Nord-Zypern mit 3.800 Studenten. Insgesamt kamen Studierende aus 155 Staaten. Außerdem gebe es einen signifikanten Anstieg bei den europäischen Studenten zu verzeichnen, vor allem aus Griechenland und Deutschland. Aus diesen beiden Ländern kämen insgesamt 1.300 junge Leute. Mittlerweile soll sich die Zahl mit Stand 2013 sogar auf 70.000 gesteigert haben, so der ICEF Monitor.

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