Callcenter in der Türkei: Millionen bei Senioren in Deutschland, Österreich und der Schweiz erschwindelt

Rund 3500 Opfer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden von einem türkischen Call-Center aus um Millionen gebracht. Vorgegaukelt wurde den Betroffenen ein hoher Gewinn, der erst durch die Überweisung einer Gebühr eingelöst werden könnte. Viele meldeten sich aus Scham nicht bei der Polizei. Einige verschuldeten sich derart, dass sie Suizid begingen.

Mit falschen Gewinnversprechen haben Betrüger besonders ältere Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz um Millionen gebracht. Insgesamt geht es seit 2010 um rund 3500 Opfer, erbeutet wurden mindestens 13,5 Millionen Euro. Der bislang ermittelte Schaden sei nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer sei wesentlich höher, sagte der Osnabrücker Staatsanwalt René von Münster am Mittwoch in Oldenburg. Die Täter riefen ihre Opfer seinen Angaben zufolge vor allem aus Callcentern in der Türkei an.

Seit 2012 erließen türkische Behörden 31 Haftbefehle gegen Tatverdächtige, so die dpa. In einem weiteren Ermittlungsverfahren ergingen in Deutschland Haftbefehle gegen vier Tatverdächtige. Sie sollen 640 Opfer binnen zwei Jahren um 880 000 Euro betrogen haben.

«Die Täter stellen sich immer professioneller auf», erklärte Ermittler Jörg Schmedes. Es werde ein hoher Gewinn vorgegaukelt, der jedoch angeblich erst nach der Überweisung einer vermeintlichen Gebühr ausgezahlt werden könne. Die Täter sprächen gutes Deutsch und im Display des Telefons der Opfer erscheine eine deutsche Nummer. Viele Opfer meldeten sich aus Scham nicht bei der Polizei, sagte von Münster. Einige verschuldeten sich hoch, manche seien sogar so verzweifelt, dass sie Suizid begingen.

Hier geht es zur Polizei-Information zu den Betrugsmethoden.

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