Gesundheitsreform in den USA: Erdoğan hat Obama beraten

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will seinen US-Kollegen Barack Obama bei dessen Gesundheitsreform beraten haben. Den Anstoß dafür gaben ihm US-Touristen in der Türkei. Bereits seit einigen Jahren wird das Land von verschiedenen Seiten für seine vorbildlichen Reformen auf diesem Gebiet gelobt.

Anlässlich der Einweihung eines Gesundheitskomplexes in Ankara am 18. März erklärte Präsident Erdoğan, dass er seinem Amtskollegen Obama Ratschläge in Sachen Gesundheitssystem gegeben habe. Dass diese in den USA allerdings nur teilweise umgesetzt werden könnten, sei einem „negativen Reflex“ auf diese Bemühungen geschuldet.

„Als ich an einem Freitagsgebet in der Sultanahmet-Moschee teilnahm, traf ich dort auf Touristen. Einige von ihnen wussten, dass ich in der darauffolgenden Woche die USA besuchen würde. Sie fragten mich, wie es die Türkei geschafft hätte, so erfolgreich zu sein. Sie baten mich, Obama darüber zu berichten“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den Präsidenten.

In der Tat kam Erdoğan dem Anliegen der Türkeibesucher nach. Details über das Gespräch offenbarte er allerdings nicht. „Ich sprach mit Herrn Obama über dieses Thema. Natürlich macht es der negative Reflex dort wirklich schwer für Herrn Obama“, so Erdoğan weiter. Seiner Ansicht nach könne der US-Präsident das Problem in seiner Heimat nur teilweise lösen.

Die Türkei scheint aber nicht nur für die USA interessant. Erdoğan zufolge seien bereits eine ganze Reihe europäischer Entscheider in die Türkei gereist, um das dortige Gesundheitssystem in Augenschein zu nehmen. „Sie versuchen uns als Vorbild zu nehmen und implementieren ähnliche Systeme in ihrem Land“, so der türkische Präsident. Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass auch das eigene System durchaus noch Mängel aufweise. Alles in Allem befände man sich jedoch auf einem guten Weg.

Diesen attestierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Türkei auf diesem Gebiet schon im Jahr 2012. Während einer Konferenz würdigte WHO-Generaldirektorin Chan die Türkei. Ihrer Ansicht nach könne das Land auf Grund seiner erfolgreichen Reformen im nationalen Gesundheitssystem als hervorragendes Beispiel für die ganze Welt gelten (mehr hier).

Entgegen landläufiger Überzeugung, so stellte damals der türkische  Gesundheitsminister Recep Akdağ heraus, brauche es eben keine exorbitanten finanziellen Mittel, um ein gut funktionierendes und faires nationales Gesundheitssystem zu implementieren. In der Türkei hätte es lediglich 550 Dollar pro Kopf bedurft, um ein Gesundheitssystem einzurichten, das teils sogar besser funktionieren würde als in entwickelteren Ländern. So wurden zum Beispiel 2009 Medikamente zwischen zehn und 40 Prozent billiger. Vor allem Medikamente, die aus dem Ausland kommen, wurden im Preis reduziert. Auch ein Hausarztsystem konnte bereits eingeführt werden. Bestehen geblieben ist übrigens die so genannte yeşil kart (grüne Karte), die verarmten Bürgern (ohne Unterkunft oder Einkommen) eine freie Gesundheitsversorgung bietet.

Anfang 2013 meldete der neue türkische Gesundheitsminister, Mehmet Müezzinoğlu, weitere Erfolge. Ihm zufolge sei die Türkei mittlerweile das Land mit der zweitgrößten Patientenzufriedenheit weltweit (mehr hier). Gleichzeitig benannte er aber auch eine gravierende Schwachstelle: Die unzureichende Anzahl an praktizierenden Ärzten. Derzeit fielen jährlich 300 Millionen Patientengänge auf 125.000 Ärzte. „Wir brauchen 30.000 mehr Ärzte“, so der Gesundheitsminister. Die hohe Patientenzufriedenheit verdanke man nur dem Umstand, dass die wenigen praktizierenden Ärzte „hart arbeiten“ würden.

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