Letzte Ruhe in der Ferne: Las Vegas bekommt seinen ersten muslimischen Friedhof

Die schillernde Wüstenstadt Las Vegas hat den Weg für den ersten muslimischen Friedhof frei gemacht. Diversen Widerständen zum Trotz, wurde die letzte Ruhestätte nun genehmigt. Für die rund 18.000 Muslime in der Region ist das ein gewaltiger Schritt.

Erst am vergangenen Mittwoch lehnte die Clark County Planning Commission eine Beschwerde gegen den privaten muslimischen Friedhof ab. Eingereicht wurde dieser von Bewohnern in Las Vegas. Frühere Bemühungen der Muslime scheiterten bereits.

Der muslimische Friedhof soll auf einem Stück Land neben einer Islamischen Akademie in der Nähe von Warm Springs und Bermuda Roads errichtet werden. Das Vorhaben sei von den Clark County Kommissaren auch bereits gebilligt worden. Doch einige Dutzend Anwohner in der Nachbarschaft des Friedhofs stellten sich dann doch quer, berichtet die türkische Zeitung Sabah.

Laut Dr. Aslam Abdullah, Leiter der Islamic Society of Nevada, sei der Widerstand der Anwohner auf ein theologisches Problem zurückzuführen. „Wir haben keinen Platz. Wir brauchen einen Platz. Doch wir wollen keinen Platz auf Kosten der Nachbarn“, zitiert ihn das Blatt. Frühere Bemühungen einer anderen Gruppe, einen muslimischen Friedhof im Nordosten des Valleys zu bauen, endeten im Jahr 2012 fatal. Damals habe es ein Feuer auf der Baustelle gegeben. Abdullah ist überzeugt, dass dieses damals absichtlich gelegt wurde. Die tatsächliche Ursache sei zwar nie ermittelt worden, seiner Ansicht nach habe es sich jedoch um ein Hassverbrechen gehandelt.

In der Region um Las Vegas leben derzeit rund 18.000 Muslime. Bislang gibt es für sie keinen ausgewiesenen Friedhof. Der private, gemeinnützige Friedhof soll auf zwei Hektar, ein paar Meilen südlich vom McCarran International Airport entstehen, berichtet das Las Vegas Review Journal. Die Zustimmung hierfür erhielt der seit 16 Jahren dort lebende Arzt Osama Haikal nun einstimmig. Der Mediziner hoffe jetzt so schnell wie möglich mit dem unauffällig geplanten Bau beginnen zu können. Zuvor müssten jedoch noch einige Untersuchungen abgeschlossen werden.

Seiner Ansicht nach bräuchten die hier lebenden Muslime dringend einen Platz, um ihre Toten nach eigenen Bestattungsriten beerdigen zu können. Es müsse die Möglichkeit geben, die Toten zu waschen und sie lediglich in ein Tuch gehüllt bestatten zu können. Die Leichname müssten so schnell wie möglich mit Ausrichtung gen Mekka unter die Erde gebracht werden.

„Ich arbeite seit zwölf Jahren an diesem Projekt“, so der 30-Jährige, der sich bereits bei der Entstehung der Omar Haikal Islamic Academy und der Moschee nördlich des Friedhofs engagiert hatte.

Vor der Entscheidung am Mittwoch hörte die Kommission rund 20 Anwohner. Diese brachten vor,nicht in der Nähe eines Friedhofs leben zu wollen, unabhängig von der Religionszugehörigkeit. Sie brachten vor, dass das Projekt die Nachbarschaft stören würde, so das Blatt weiter. Sie fürchteten ein Sinken der Immobilienwerte bei gleichzeiter Erhöhung des Verkehrsaufkommens. Einige äußerten auch Bedenken, dass die Toten bei Hochwasser emporgespült werden oder das Grundwasser verunreinigen könnten. Argumente, die durch die Anwälte des Ideengebers entkräftet werden konnten. Um jedoch auf die Bedenken der Anwohner einzugehen, erklärte sich der Mediziner bereit, eine Liste mit 19 Verbesserungspunkten anzugehen. Er verstehe die Sorgen seiner Nachbarn, da er einer von ihnen sei.

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