Kein Vertrauen ins Schulsystem: Türkische Eltern investieren 6 Milliarden Dollar in Privatunterricht

Der türkische Dachverband der Handelskammern (TOBB) hat aktuelle Zahlen zum Bildungs-Investment türkischer Eltern veröffentlicht. Demnach seien durchschnittlich 6,13 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die private Aus- und Weiterbildung des Nachwuchses ausgegeben worden. Der Trend sei deutlich: Die schulische Bildung der Kinder würde den türkischen Eltern zunehmend wichtiger.

Die Förderung des türkischen Nachwuchses beginne dem TOBB zufolge bereits im Vorschulalter. Laut dem Dachverband würden aktuell 17 Prozent der Vorschulkinder eine private Kindertagesstätte besuchen. In der Grundschule seien das noch 3,3 Prozent, im Gymnasium seien immerhin fünf Prozent Privatschüler.

Der Bericht zeige, dass unter denen, die Privatschulen und Kurse besuchten, 31 Prozent nochmals unterstützende Kurse, 28 Prozent Fahrstunden und 17 Prozent weitere Privatschulen in Anspruch nähmen, so die türkische Zeitung Sabah. Die hohe Zahl der Schüler in unterstützenden Kursen sei dem Bericht zufolge allerdings an die steigende Nachfrage nach Hochschulprüfungsvorbereitungskursen gebunden. Insgesamt würden 43 Prozent aller für private Fortbildung aufgewendeten Gelder in Privatschulen fließen und 20 Prozent in unterstützende Kurse.

Die durchschnittliche jährliche Gebühr für eine Privatschule betrage dem TOBB zufolge rund 10.000 Türkische Lira. Die Preise würden teils jedoch stark zwischen den Städten und gar einzelnen Bezirken variieren. Vor allem in Istanbul könne Privatschulunterricht astronomische Höhen erreichen.

Der Fokus auf das Thema Bildung habe sich in den vergangenen Jahren insgesamt erhöht, heißt es im TOBB-Report weiter. Familien würde mittlerweile eine Menge opfern, um die Gebühren zu bezahlen. Entsprechend empfiehlt der Dachverband nun der Regierung, einen Weg zu schaffen, wie Eltern erschwingliche Bildungschancen für die Kinder auftun könnten, ohne eine zusätzliche Belastung für den Staat zu schaffen. Das Budget des Bildungsministeriums lag zwei 2014, inklusive Neu-Investitionen, bei 56 Milliarden Türkischer Lira.

Das Bildungs-Investment reißt auch nach der Schule nicht ab. Jährlich lassen sich türkische Studenten ihr Studium fernab der Heimat stolze 1,5 Milliarden Dollar kosten. Derzeit liegt die Türkei auf Platz fünf derjenigen Länder, die den meisten Nachwuchs zu Ausbildungszwecken ins Ausland schickt. Jährlich sind das rund 90.000 türkische Studentinnen und Studenten. Ganze 35.000 von ihnen nutzen die Zeit fernab von zuhause explizit um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Eine große Mehrheit der Studenten bevorzugen die USA, gefolgt von Großbritannien, Malta, Kanada, Australien, Deutschland, Frankreich und Italien (mehr hier).

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