National Geographic Channel: Moslem spielt Messias in „Killing Jesus“

Kann eine Geschichte spannend sein, die schon Tausende Male erzählt wurde und wo der Ausgang recht vorhersehbar ist? Sie kann. Wenn sich der Blickwinkel ändert. Eine neue Kreuzigungsgeschichte Jesu.

Als Haaz Sleiman laut aufschrie, stürmte seine Mutter besorgt ins Zimmer – und verpatzte ihrem Sohn ein Vorsprechen per Skype. «Es muss schauderhaft geklungen haben», sagt der libanesische Schauspieler, «aber das sollte es ja auch». Sleiman bekam eine zweite Chance und dann eine Traumrolle: Jesus. In «Killing Jesus» spielt der Moslem den Juden, der das Christentum begründete. Der National Geographic Channel macht daraus ein Weltereignis: Der TV-Film wird am selben Tag so gut wie auf der ganzen Welt gezeigt.

«Killing Jesus» nach dem amerikanischen Bestseller von Bill O’Reilly soll am Ostersonntag in 171 Ländern gezeigt werden, so die dpa. Zum Vergleich: Die UN haben 193 Mitgliedsstaaten. Selbst Nordkorea sei dabei, heißt es. Das mit 4500 Schauspielern, davon fast 100 Sprechrollen, gedrehte Epos wurde in 45 Sprachen synchronisiert. Alle Darsteller sind erprobte Schauspieler, Stars sind aber keine dabei.

O’Reilly ist ein konservativer Moderator, der vermutlich mit vielen Thesen der islamkritischen Pegida-Bewegung übereinstimmen würde. «Die Produzenten haben mir ganz kleinlaut gesagt, dass sie einen „Jesus“ gefunden hätten. Aber er sei Moslem», sagte der 65-Jährige bei der Premiere in New York. «Ich habe nur gefragt: Ist er der Beste? Dann nehmt ihn auch!» Pause. «Jesus hätte ihn auch genommen.»

«Ich war aufgeregt wie ein Kind im Bonbonladen», sagt Sleiman über die Zusage. «Aber es ist auch unglaublich schwierig. Jeder, nicht nur jeder Christ, hat ein Bild von Jesus im Kopf. Wie soll ich den allen gerecht werden? Eigentlich ist es Wahnsinn.» Sleiman studierte die Figur und fand für sich schließlich eine Lösung: «Ich wollte zuerst den Menschen darstellen. Auch Jesus hatte Angst, auch er litt Schmerz. Und jeder sollte sich in diesem Gottessohn wiederfinden können.»

«Ich wollte keinen religiösen Film, denn ich bin Historiker», sagt O’Reilly. «Wir haben uns die Frage gestellt, wie ein Zimmermann zur bekanntesten Figur des Planeten werden konnte.» Das unterscheidet «Killing Jesus» auch, zumindest etwas, von den unzähligen Malen, die die Geschichte schon verfilmt wurde: Hier geht es vor allem um die Intrigen, die letztlich zum Tode eines Menschen führten, den die Verantwortlichen – Roms Statthalter Pontius Pilatus und der jüdische Herrscher Herodes Antipas – eigentlich gar nicht tot sehen wollten.

«Erwarten Sie keine Wunder», sagt Chris Ryman, der den Tempelwächter Malchus spielt. «Das ist kein Bibelfilm, es ist eigentlich mehr eine Dokumentation.» Natürlich halte sich der Film an die Bibel, aber mystische Inszenierungen suche man vergebens. «Es ist weniger „Game of Thrones“, mehr „House of Cards“.» Politik und Intrigen stünden im Mittelpunkt. «Unsere Aufgabe ist es, die Menschen menschlich zu machen», sagt auch Stephanie Leonidas, die die Verführerin Salome spielt. «Natürlich ist sie eine negative Figur, genau wie ihre Mutter. Aber wir wollten zeigen, was sie dazu bewegte.»

Für den Moslem Sleiman ist die zentrale Botschaft des Jesus Christus, und des Films: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. «Ich habe viel darüber nachgedacht und es hat mich verändert», sagt der Libanese. «Vor allem will ich mit dem Film aber die ehren, die Jesus sind. Auf der Welt gibt es heute viele Menschen, die so friedfertig, versöhnlich und gerecht sind wie Jesus. Ich wäre gern selbst so. Zumindest will ich diese Menschen aber ehren.»

«Killing Jesus» ist in Deutschland am Ostersonntag um 20.15 Uhr beim National Geographic Channel zu sehen.

Mehr zum Thema:

Jesus Christus ist bei Facebook beliebter als Justin Bieber
Sensationsfund zu Weihnachten: Christen entdecken Synagoge aus Zeiten Jesus
Das scharlachrote «N»: So werden Christen im Orient verfolgt

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.