Seismische Forschung im Mittelmeer: Türkei setzt jetzt auf ein eigenes Schiff

Am vergangenen Wochenende lief in Istanbul ein neues, 115 Millionen Dollar teures Schiff vom Stapel. Die „Turkuaz“ ist das erste in der Türkei gefertigte seismischen Vermessungsschiff. Die Regierung will damit nun weitere Bodenschätze im Mittelmeer aufspüren.

Wie der türkische Energieminister Taner Yildiz bekannt gab, beliefe sich der Wert des türkischen Forschungsschiffes auf 300 Millionen Türkische Lira, umgerechnet etwa 115 Millionen US-Dollar. Die Investition bezeichnete er jedoch als notwendig und lohnend. Die „Turkuaz“ sei von großer Bedeutung für die wirtschaftlichen und politischen Interessen des Landes.

„Das Schiff wird unsere Suchmöglichkeiten nach Öl- und Gasvorkommen in der Region sowie die Erkundung möglicher Abbaugebiete erhöhen“, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Minister.

Das neue Schiff soll allerdings nicht nur für die Suche nach Öl und Gas eingesetzt werden. So werde es auch in der Klimawandel- und der ökologischen Forschung des entsprechenden türkischen Generaldirektorats Dienste leisten. Daneben werde es auch umfassende Unterwasseruntersuchungen durch ein ferngesteuertes System leisten.

Die „Turkuaz“ ist 86 Meter lang und 23 Meter breit. Ihre Dienstzeit ist für mindestens 30 Jahre anberaumt. Die Crew des Schiffes soll 50 Mann umfassen. Die Kapazitäten erlauben eine autarke Operation auf See für 35 Tage.

Während der offiziellen Zeremonie stellte Vizepremier Bülent Arınç heraus, dass das Forschungsschiff, den aktuellen Stand des türkischen Schiffwesens und der Werften widerspiegeln würde. Arınç zufolge sei das mit der Unterstützung der Verteidigungsindustrie gebaute Forschungsschiff ein vorbildhaftes Projekt. Angekündigt wurde das eigene Forschungsschiff bereits 2012 (mehr hier).

Im Mittelmeer hat längst ein erbitterter Kampf um Erdöl- und Erdgasvorräte begonnen. Die Türkei steht einem Bund zwischen Israel, Griechenland und der Republik Zypern gegenüber. Machtpolitik treibt alle Länder an. Der Gewinn verspricht viel: Reichtum für die nächsten Dekaden (mehr hier).

Bisher übernahm die türkische „Piri Reis“ Forschungsarbeiten. Das Schiff sorgte zuletzt an der Küste von Zypern für politische Spannungen (mehr hier). Die „Piri Reis“ ist zudem nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Die Suche nach Öl und Gas ist allerdings nicht die einzige Strategie zur Lösung des türkische Energieproblems. Trotz der hohen Erdbebengefahr in den meisten Regionen der Türkei will die Regierung Atomkraftwerke errichten. Schon 2030 soll zehn Prozent des Strombedarfs durch Atomenergie gedeckt sein (mehr hier).

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