Rubel oder Lira: Türkei und Russland wollen Geschäfte in nationaler Währung abwickeln

Die Türkei und Russland wollen bei großen Investitionsvorhaben zwischen den Ländern künftig offenbar entweder in Lira oder Rubel bezahlen. Nach Angaben des stellvertretenden türkischen Wirtschaftsministers Adnan Yıldırım sollen derzeit entsprechende Verhandlungen laufen. Die beiden Staaten wollen ihr Handelsvolumen bis 2020 auf 100 Milliarden Dollar erhöhen.

Bekannt wurden die Pläne auf einem gemeinsamen russisch-türkischen Business-Meeting am vergangenen Montag. Auf diesem kündigte Yıldırım an, dass die Zahlung in Lira oder Rubel zumindest für die größeren Investitionsprojekte in Russland und der Türkei eingeführt werden sollte.

Der türkischen Zeitung Sabah zufolge gibt es bereits erste konkrete Punkte. Nach Angaben von Georgy Petrov, Vize-Präsident der HIK Russland, würden Russland und die Türkei etwa gerade darüber sprechen, russischen Touristen in der Türkei zu gestatten, in Rubel zu bezahlen.

Insgesamt wollen die beiden Staaten offenbar wirtschaftlich enger zusammenrücken. Alexei Lihachev, russischer Vizeminister für Wirtschaft und Entwicklung, zufolge, würde man gern das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern auf 100 Milliarden Dollar im Jahr 2020 steigern. Schon jetzt seien ernsthafte Schritte von Unternehmen und Geschäftsleuten unternommen worden, um kommerzielle Hindernisse türkischer und russischer Firmen aus dem Weg zu räumen. Lihachev jedenfalls erwarte großflächige Entwicklungen in den russisch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen, die schon 2015 an rechtlichem und vertraglichem Boden gewinnen würden.

Wesentlich zur Erreichung der ambitionierten Handelsziele sei jedoch die Lösung eines bislang schwerwiegenden Problems, so die türkische Zeitung, nämlich das Problem des Durchganges der türkischen Lkw. Im Jahr 2014 betrug das Gesamtvolumen der türkischen Exporte 157 Milliarden Dollar, 6,5 Milliarden entfielen auf den Handel mit Russland. Russland ist für die Türkei der zweitwichtigste Handelspartner nach Deutschland, während die Türkei für Russland den achtgrößten Handelspartner darstellt.

Vergangenen Dezember kündigte Russland die Pipeline South Stream auf. Die EU hatte das South Stream Projekt stets torpediert, weil nach EU-Auffassung ein Konzern nicht gleichzeitig Netzwerk-Betreiber und Lieferant sein kann.

Gazprom-Chef Alexei Miller sagte, dass stattdessen eine neue Pipeline durch die Türkei gebaut werden soll, die den Namen Turkish Stream trägt. Wenn die EU Interesse an ihrer eigenen Gasversorgung habe, müsse sie eine neue Pipeline-Infrastruktur bis an die griechisch-türkische Grenze bauen. Die Türkei soll nach dem Willen Russlands neben Deutschland künftig der zentrale Verteiler für Erdgas aus Russland in die EU sein (mehr hier). Doch ob die Russen Turkish Stream angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage wirklich bauen können, ist unklar. Denn nach Wunsch der Türken soll Gazprom den Großteil der Baukosten tragen. Zudem verlangt Ankara sehr hohe Transitgebühren von Gazprom.

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