Nach Angriff auf Polizeipräsidium: Erdoğan bricht Staatsbesuch in Rumänien ab

Erst nehmen Linksextremisten in Istanbul einen Staatsanwalt zur Geisel. Am Tag danach wird nicht nur ein Büro der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Istanbul gestürmt, sondern auch das Polizeipräsidium der größten Stadt des Landes angegriffen. Das neuerliche Blutvergießen hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Alarmbereitschaft versetzt.

Kurze Visite in Bukarest. Erdoğan will sich entschieden dem Kampf gegen den Terror widmen. (Screenshot YouTube)

Kurze Visite in Bukarest. Erdoğan will sich entschieden dem Kampf gegen den Terror widmen. (Screenshot YouTube)

Einen Tag nach der tödlichen Geiselnahme eines Staatsanwalts durch Linksextremisten in Istanbul ist das Polizeipräsidium in der türkischen Metropole angegriffen worden. Eine «Terroristin», die eine Bombe am Körper getragen habe, sei am Mittwoch von Sicherheitskräften getötet worden, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf den Gouverneur Istanbuls, Vasip Sahin. Der zweite Angreifer – ein Mann – sei verwundet gefasst worden. Ein Polizist sei leicht verletzt worden.

Erst kurz zuvor war die Nachricht bekannt geworden, dass Bewaffnete ein Büro der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Istanbul gestürmt hätten (mehr hier). Dann berichtete Anadolu, zwei Angreifer hätten am Haupteingang des Präsidiums das Feuer eröffnet. Sicherheitskräfte hätten zurückgeschossen. Anadolu zeigte ein Foto einer Toten mit einem Schnellfeuergewehr, neben der Leiche war eine Pistole zu sehen. Die Hintergründe des Angriffs waren zunächst nicht bekannt.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan brach darauf hin einen Staatsbesuch in Rumänien ab. In der rumänischen Hauptstadt Bukarest sagte er vor seiner Rückreise: «Unser Kampf gegen den Terrorismus muss mit Entschlossenheit weitergehen.» Das berichtet die dpa.

Linksextremisten hatten am Dienstag im zentralen Istanbuler Justizgebäude einen Staatsanwalt als Geisel genommen. Die verbotene DHKP-C bekannte sich zu der Tat. Die Polizei beendete die Geiselnahme nach neun Stunden gewaltsam. Die beiden Geiselnehmer und der Staatsanwalt starben. Wie genau sie zu Tode kamen, blieb unklar (mehr hier).

Der getötete Staatsanwalt ermittelte in dem politisch bedeutenden Fall Berkin Elvan. Der Jugendliche war bei den Gezi-Protesten im Sommer 2013 von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen worden. Er starb nach neun Monaten im Koma. Bislang wurde niemand dafür zur Rechenschaft gezogen. Die Geiselnehmer hatten öffentliche Geständnisse der verantwortlichen Polizisten gefordert.

Am Mittwoch drang in Istanbul ein Bewaffneter in ein Büro der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP ein. Die Polizei habe den Angreifer festgenommen, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Niemand sei zu Schaden gekommen.

Am Tag nach der Geiselnahme nahm die Polizei 22 mutmaßliche Anhänger der verbotenen DHKP-C im südtürkischen Antalya fest, wie DHA berichtete. Ihnen werde vorgeworfen, ähnliche Aktionen wie die Geiselnahme geplant zu haben. Der Anwalt der Verdächtigen wies die Vorwürfe zurück.

Am Mittwoch kamen Tausende zu der Beerdigung des Staatsanwalts in Istanbul. Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu kündigte an, das Justizgebäude werde künftig den Namen des Staatsanwaltes tragen.

Die DHKP-C hatte im Januar die Verantwortung für einen Anschlag in Istanbul übernommen, mit dem angeblich der Tod von Berkin Elvan gerächt werden sollte (mehr hier). Auch am Neujahrstag war ein Anschlag auf den Dolmabahce-Palast in Istanbul gescheitert (mehr hier). Der Angreifer wurde festgenommen. Er hatte zwei Handgranaten auf die Wachposten vor dem Palast geworfen, die nicht detonierten. Der Palast gehört ebenfalls zu den beliebtesten Urlauberzielen in Istanbul, außerdem unterhält Ministerpräsident Ahmet Davutoglu dort ein Büro.

Die DHKP-C steht in der Türkei, in der EU und in den USA auf der Terrorliste. Die Gruppe hatte sich im Februar 2013 zu einem Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara bekannt. Damals riss der Attentäter einen Wachmann mit in den Tod.

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