Türkei will Beobachtermission auf Krim schicken

Die Türkei will eine Beobachtermission auf die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel Krim schicken. Entsendet werden soll eine informelle Mission, die Menschenrechtsverletzungen beobachtet. Sorgen bereitet der türkischen Regierung vor allem die Situation der Krim-Tataren.

«Die Situation auf der Krim ist nicht akzeptabel. Insbesondere die Krimtataren sind unterdrückt», zitiert die dpa den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Freitag bei einem Besuch in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Eine informelle Mission solle demnächst Menschenrechtsverletzungen auf der Krim beobachten, zitierte ihn die Agentur BNS.

Die Krim-Tataren sind ein indigenes Volk der Halbinsel Krim. In der Türkei leben etwa 500.000 von ihnen. Dort werden sie auch als Krim-Türken bezeichnet, da sie eine türkischsprachige Ethnie sind. Unter Stalin wurden fast alle Krim-Tataren deportiert. Die Deportationen erfolgten massiv ab dem 18. Mai 1944 und dauerten zwei Tage an. Den Krim-Tataren wurde Kollaboration mit den Deutschen vorgeworfen, berichtet die Zeitung Milliyet. Bis zum Jahr 1979 gab es kaum noch Tataren auf der Krim. 1989 erlaubte der Oberste Sowjet den Krim-Tataren die Rückkehr in ihre Heimat, schreibt Temur Niyaverovitch Kurshutov im Eurasischen Magazin. Aktuell machen sie zehn bis zwölf Prozent der Bevölkerung auf der Krim aus. Das Joshua Project berichtet, dass auf der Krim und in der Ukraine insgesamt 305.000 Krim-Tataren leben. Sie sind zu 99,8 Prozent Muslime.

Zur Situation der Muslime auf der Krim schreibt das Magazin Ost-West:

„Die Spuren der islamischen Zivilisation auf der Krim, darunter die Ortsnamen, wurden konsequent beseitigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war nicht nur auf der Krim, sondern in der ganzen Ukraine keine einzige Moschee übrig geblieben; es gab auch keine offiziell zugelassene muslimische Gemeinde mehr.“

Krim-Muslime, die zu den während der Sowjetzeit nationalisierten Anbetungsorten und Kultgebäuden zurückkehren wollen würden, würden auf ernsthafte Schwierigkeiten stoßen. Kaum die Hälfte der muslimischen Gemeinden der Halbinsel verfüge über Gebetshäuser, heißt es weiter. Nach Mitteilung des Mufti der Krim-Muslime, Emirali Adscha Ablajew, hätten die örtlichen Machthaber den christlichen Gemeinden im Jahre 2006 etwa ein halbes Hundert sakraler Objekte, die den Gläubigen von den Sowjets weggenommen worden waren, übergeben. Anders im Fall der Muslime: Sie hätten nicht ein einziges bekommen. Bis heute könnten die Krim-Muslime nicht in die ihnen gehörenden, erhalten gebliebenen 43 Moscheen zurückkehren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe es auf der Krim annähernd 750 Moscheen gegeben.

Mittlerweile ist die Situation aber deutlich entspannt. Denn:

„Der Mangel an Gebetshäusern wird alles in allem durch den Bau neuer Moscheen relativiert; so errichteten die Krim-Muslime nach ihrer Rückkehr aus den Deportationsorten mehr als 70 Moscheen. Die absolute Mehrheit der neuen Moscheen wurde mit Geldern aus Saudi-Arabien, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und sogar der krimtatarischen Diaspora gebaut.“

Vor dem Referendum am 16. März 2014 stellten sich die Krim-Tataren vehement gegen eine Eingliederung der Halbinsel. Auch in der Türkei kam es zu Protesten.

Cavusoglu begrüßte am Freitag auch die Atom-Vereinbarung mit dem Iran. Er hoffe, dass der Iran zusätzliche Schritte unternehme, um bis Juli einen endgültigen Konsens zu erreichen. «Die Türkei ist grundsätzlich gegen jede Art von Atomwaffen im Iran, in Israel oder in jedem anderen Land», sagte Cavusoglu. Auch sein litauischer Kollege Linas Linkevicius begrüßte die Einigung, die zu «einer sichereren Welt» beitragen würde.

Mehr zum Thema:

Moscheen und Koranschulen: Krim-Tartaren könnten ihre Stätten zurückerhalten
Aufruhr in der Türkei: Krim-Tataren protestieren gegen Russland
Ukraine-Referendum: Krim-Türken haben Angst vor Putins Herrschaft

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.