„Charlie Hebdo“-Nachdruck: Türkischen Journalisten droht Gefängnis

Zwei türkische Journalisten könnten jetzt aufgrund einer französischen Mohammend-Karrikatur im Gefängnis landen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft beleidige der Abdruck der «Charlie Hebdo»-Zeichnung die religiösen Werte der türkischen Bürger. Kommt es tatsächlich zu einer Verurteilung, wären mehrere Jahre Haft möglich.

Den beiden türkischen Kolumnisten Ceyda Karan and Hikmet Çetinkaya der Zeitung «Cumhuriyet» droht für den Abdruck des weinenden Propheten bis zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft wirft den Kolumnisten der «Cumhuriyet» in ihrer 38-seitigen Anklageschrift vor, mit dem Abdruck der Karikatur in ihren Kolumnen den öffentlichen Frieden gestört und den Propheten sowie die religiösen Werte der Menschen in der Türkei beleidigt zu haben.

„Uns wird mit Gefängnis gedroht, weil wir die freie Meinungsäußerung verteidigen“, zitiert die Time Ceyda Karan. „Einen Journalisten zu bedrohen, weil er oder sie eine Zeichnung gedruckt hat, die keine Beleidigung darstellt, kann nur von einer religiösen, autoritären Regierung kommen.“

Der ChefStaatsanwaltschaft in Istanbul hatte kurz nach den Anschlägen in Frankreich eine Untersuchung gegen die Journalisten Ceyda Karan and Hikmet Çetinkaya eingeleitet (mehr hier). Die linksnationalistische Zeitung «Cumhuriyet» hatte als eine von insgesamt fünf internationalen Publikationen das Titelbild des Satiremagazins «Charlie Hebdo», das einen weinenden Propheten Mohammed zeigt, über den Kolumnen der Autoren abgedruckt. Ein Schritt, der im Folgenden auch zu Drohungen gegen das Blatt führte, so Reuters.

Die Argumentation der Justiz im Fall der beiden Kolumnisten: Die Herren hätten sich der türkischen Gesetze gegen «Hass und Feindschaft» sowie der «Beleidigung religiöser Werte» schuldig gemacht. Karan und Çetinkaya wollen sich davon aber offenbar nicht beeindrucken lassen. „Keiner von uns wird die Verteidigung der Meinungsfreiheit aufgeben, so die Kolumnistin, die bereits seit Januar von einem Bodyguard begleitet wird.

Premier Ahmet Davutoğlu kündigte am 15. Januar an, dass seine Regierung keine «Beleidigung unseres Propheten» zulassen werde. Seiner Ansicht nach hatte der Nachdruck der französischen Karikaturen durch die «Cumhuriyet» nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Er werte das Ganze als Akt der Provokation.

Als Reaktion auf das Attentat gegen das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» hatte die «Cumhuriyet» in ihrer Druckausgabe eine vierseitige «Charlie Hebdo»-Beilage verbreitet. Die Polizei versuchte noch, die Auslieferung zu behindern (mehr hier). Ein Gericht in Diyarbakir im Südosten des Landes hatte darauf hin die Sperre von Internetseiten angeordnet, die die Mohammed-Karikatur veröffentlichen. Das Blatt hielt sich allerdings nicht daran und zeigte die Seiten weiter (mehr hier).

Erst Anfang März ließ ein türkisches Gericht dann die offizielle Seite des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» in der Türkei blockieren (mehr hier).

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