Gewalttaten in den 1990ern: PKK entschuldigt sich bei Deutschland

In den 1990er Jahren machte die verbotene kurdische PKK mit Gewaltaktionen auch in Deutschland Schlagzeilen. Nur wenige Wochen nach dem in der Türkei inhaftierten PKK-Chef Öcalan ruft nun auch der operative Führer Bayik zu Frieden auf. Er wendet sich an Deutschland.

Erst im März hatte der in der Türkei inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan seine Anhänger zu Frieden mit der Regierung in Ankara aufgerufen. Jetzt ergreift Bayik das Wort. (Screenshot tagesschau.de)

Erst im März hatte der in der Türkei inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan seine Anhänger zu Frieden mit der Regierung in Ankara aufgerufen. Jetzt ergreift Bayik das Wort. (Screenshot tagesschau.de)

Der operative Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Cemil Bayik, hat Deutschland für Gewalttaten seiner Organisation in den 1990er Jahren um Entschuldigung gebeten. Damals hatte die PKK mit Autobahn-Blockaden und Selbstverbrennungen Schlagzeilen gemacht.

«Ich möchte mich im Namen der PKK beim deutschen Volk entschuldigen. So etwas wird nie wieder passieren», versicherte der hochrangige Kommandeur und PKK-Mitgründer Bayik in einem Interview der Sender WDR und NDR, wie tagesschau.de am Donnerstag berichtete. Die Organisation habe sich gewandelt, sagte er.

SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich erwägt wegen des Engagements der PKK gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der Äußerungen der PKK-Führung nun eine Neubewertung. Mützenich sagte WDR und NDR: «Diese Aussagen sind eine neue Tonlage und sie bieten durchaus auch die Chance zu einer Neubewertung, wenn die PKK glaubhaft und nachprüfbar dauerhaft auf Gewalt verzichtet.»

Erst im März hatte der in der Türkei inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan seine Anhänger zu Frieden mit der Regierung in Ankara aufgerufen, so die dpa. Nach jahrzehntelangem Konflikt sollten die Waffen unter bestimmten Voraussetzungen niedergelegt werden, appellierte er an seine Gefolgsleute. In dem Konflikt waren in gut 30 Jahren mehr als 40 000 Menschen ums Leben gekommen. Beide Seiten bemühen sich um einen Friedensprozess, der jedoch immer wieder ins Stocken gerät.

«Wir möchten nicht mehr gegen die Türkei kämpfen. Wir sagen: Es reicht mit dem Kämpfen. Weder wir noch der türkische Staat haben durch den Krieg unsere Ziele erreicht», sagte Bayik. Das Interview habe unter konspirativen Umständen im nordirakischen Kandilgebirge stattgefunden. Dort kontrolliert die PKK ein Gebiet von rund 50 Quadratkilometern.

Die militärischen Ressourcen der PKK-Guerilla werden zurzeit vor allem im Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak eingesetzt. So befindet sich die PKK derzeit zum Beispiel in einem erbitterten Häuserkampf in der irakischen Stadt Sindschar. In dem Gebiet hatte der IS Mitte 2014 Hunderte Menschen der Glaubensgemeinschaft der Jesiden getötet und entführt. Tausende mussten fliehen. Unterstützt wird die PKK durch Truppen der kurdischen Peschmerga und Luftangriffe der internationalen Koalition unter Führung der USA.

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