Türkischer Außenminister: Papst Franziskus schürt mit „Genozid“-Äußerung Rassismus

Papst Franziskus nennt die Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren «Völkermord» - und bringt die Türken gegen sich auf. Regierungschef Davutoğlu meint, der Papst interpretiere die Geschichte falsch.

Der Papst hätte bei den Opfern des Ersten Weltkrieges nicht unterscheiden dürfen, meint Davutoğlu. (Foto: Flickr/ Ahmet Davutoğlu answering questions by Foreign and Commonwealth Office CC BY 2.0)

Der Papst hätte bei den Opfern des Ersten Weltkrieges nicht unterscheiden dürfen, meint Davutoğlu. (Foto: Flickr/ Ahmet Davutoğlu answering questions by Foreign and Commonwealth Office CC BY 2.0)

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu hat Papst Franziskus nach dessen Äußerungen zum «Völkermord» an den Armeniern vorgeworfen, Rassismus in Europa zu befördern. Die Worte des Pontifex seien «unglücklich gewählt, falsch und widersinnig», sagte Davutoğlu am Sonntagabend in Istanbul. Sie beruhten auf einer «fehlerhaften Interpretation» der Geschichte. «Gleichzeitig tragen sie zum steigenden Rassismus in Europa bei.»

Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 100 Jahren in einer Messe am Sonntag als «ersten Völkermord im 20. Jahrhundert» bezeichnet. Davutoğlu kritisierte, Papst Franziskus bezichtige Muslime und Türken damit kollektiv einer Schuld. Die Türkei lehnt es als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs ab, von Genozid zu sprechen.

Das Außenministerium in Ankara teilte mit, man hätte sich gewünscht, dass der Pontifex für alle Opfer des Ersten Weltkriegs gebetet hätte, «ohne zu unterscheiden, ob sie Christen, Muslime oder Juden waren». Die türkische Regierung beklagt seit längerer Zeit eine wachsende Islamfeindlichkeit in Europa.

Die türkische Regierung bestellte nach der Messe den Vatikan-Botschafter ins Außenministerium in Ankara ein, so die dpa. Kurz darauf beorderte das Ministerium auch den türkischen Botschafter beim Vatikan zu Konsultationen nach Ankara zurück.

Dagegen hatte der armenische Präsident Sersch Sargsjan die Äußerungen des Papstes als «starkes Signal» an die internationale Gemeinschaft gelobt, dass ein Völkermord, der nicht verurteilt werde, eine «Gefahr für die ganze Menschheit» darstelle. Den Gräueltaten waren nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Türkei geht von deutlich weniger Toten aus. Armenier gedenken der Massaker an ihrem Volk vor 100 Jahren am 24. April.

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