Entwaffnender Humor: Web-Serie „Halal in the family“ räumt mit Vorurteilen gegenüber Muslimen auf

Eine neue vierteilige Web-Serie im Sitcom-Stil beschäftigt sich mit Klischees über Muslime in den USA. Ziel ist es, Gespräche über das Thema anzuregen und im günstigsten Fall auch durch die Medien geprägte Feindbilder aufzulösen. Die Macher sind überzeugt, mit Comedy werden viel mehr Menschen erreicht, als mit ernsthaften Vorträgen.

Initiiert wurde die Serie „Halal in the family“ vom US-amerikanischen Schauspieler indisch-britischer Herkunft, Aasif Mandvi. Dieser ist einem breiten Publikum als Mitglied des festen „Korrespondenten“-Teams der satirischen Nachrichtensendung „The Daily Show“ bekannt. Der Sohn muslimischer Eltern sieht angesichts des vorherrschenden Klimas in den USA erheblichen Handlungsbedarf.

„Halal in the family“ basiert auf einem ehemaligen „The Daily Show“-Sketch, so das Magazin Breitbart. Unter der Regie von Miles Kahn treten die beiden Schauspieler Mandvi und Sakina Jaffrey auf. Als Gast-Stars sind Samantha Bee und Roots’ Tariq “Black Thought” Trotter mit dabei. Zu sehen ist das Ganze auf FunnyorDie.com und halalinthefamily.tv.

Mandvi und seine Kollegen spielen in dem Format die „Qu’osbys“, eine „ganz normale Familie, die in deiner Stadt lebt“. Der Startschuss fiel am vergangenen Donnerstag. Behandelt werden Themen wie Cyber-Mobbing, als etwa in der Folge „B’ully” die Tochter auf Facebook belästigt wird und die Familie diesem Umstand mit einer ordentlichen Portion derbem Humor begegnet:

Nach Ansicht von Mandvi kommt die Serie genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Thema sei von den Medien und der Politik zu sehr für jeweils eigene Zwecke missbraucht worden. Das Ergbnis: Die Muslime in den USA genießen nur geringes Ansehen. Wenn die Menschen das Wort „Muslim“ hörten, löse das mittlerweile die gleiche Reaktion aus, als würde man von Krebs sprechen. Entsprechend fielen dann auch die Antworten aus, so der Ideengeber im Gespräch mit Variety.

Und in der Tat: Muslime sind in den USA im Vergleich zu anderen Gruppierungen den größten Vorurteilen durch ihre Mitbürger ausgesetzt. Das zeigt eine Umfrage des Arab American Institute im Jahr 2012. Dieses befragte insgesamt 1,052 Personen mit Hilfe eines Online-Fragebogens. Dabei stellte sich heraus, dass Araber, Muslime, Amerikaner arabischer Herkunft sowie Amerikaner muslimischer Herkunft am wenigsten positiv eingeschätzt wurden und gleichzeitig die nachteiligste Position innerhalb der 14 verschiedenen religiösen Gruppierungen in den USA, die in die Umfrage einbezogen wurden, einnahmen. Muslime waren überdies die einzige Gruppierung innerhalb der Befragung, die ausschließlich negativ eingeschätzt wurde.

Jeder fünfte Amerikaner würde diese Communities nicht einmal kennen oder hätte keine eindeutige Haltung zu ihnen, so die Wissenschaftler. Besonders ausgeprägt scheint die negative Haltung gegenüber Muslimen, aber auch anderen Gruppen, unter Republikanern und älteren Menschen (mehr hier).

Mit der Web-Serie sollen der medialen Darstellung nun neue Nuancen hinzugefügt werden, so auch Miles Khan. Früher seien es die Russen gewesen, heute seien es der Nahe Osten und die Muslime. Das seien die neuen Bösewichte. Selbstverständlich könne man die Probleme in dieser Region nicht ignorieren. Damit müsse man sich befassen. Aber es gebe nur sehr wenig Nuancen in der Art, wie Muslime, vor allem amerikanische Muslime in den Medien portraitiert würden.

Die Episoden seien kurz, so Mandvi zu Daily Beast. Doch er hoffe, dass die Zuschauer dadurch zur Auseinandersetzung angeregt würden. Antimuslimischen Fanatismus könnten sie damit zwar nicht beenden. Aber Comedy könne viel mehr Menschen erreichen, als ein ernsthafter Vortrag zum Thema.

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