UN-Generalsekretär springt Erdoğan im Streit mit Papst zur Seite

Die Türkei bekommt in der Genozid-Frage Zuspruch von höchster Stelle: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, und die Regierung in Rom sprechen sich gegen eine Deklaration als Völkermord aus. Der Generalsekretär bezeichnete die Vorfälle jedoch als „grausames Verbrechen“.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, widerspricht öffentlich den Behauptungen von Papst Franziskus. (Foto: Flickr/130408 Ban Ki-moon bij Timmermans 1990 by Ministerie van Buitenlandse Zaken (CC BY 2.0))

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, widerspricht öffentlich den Behauptungen von Papst Franziskus. (Foto: Flickr/130408 Ban Ki-moon bij Timmermans 1990 by Ministerie van Buitenlandse Zaken (CC BY 2.0))

Im Streit um die Genozid-Frage zwischen Papst Franziskus und der türkischen Regierung haben sich nun der Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie der italienische Untersekretär für Europa, Sandro Gozi, eingeschaltet. Der Generalsekretär lies über einen Pressesprecher verlauten, dass er der Bezeichnung Franziskus nicht folge. Die Vorfälle des Jahres 1915 seinen ein „grausames Verbrechen“, so Ban Ki-Moon. Der Bezeichnung des katholischen Kirchenoberhauptes, die die Vorfälle als erster Genozid im 20. Jahrhundert beschreibt, schloss sich dieser somit nicht an.

Deutungshoheit den Historikern überlassen

Der Generalsekretär sieht die Zukunft des Konflikts in einer gemeinsamen Aufarbeitung der Geschehnisse zwischen Türken und Armeniern, so die Sabah. Auch der italienische Europapolitiker Gozi rückte im Namen der italienischen Regierung offiziell von der Behauptung des Pontifex ab. „Es wäre für die italienische Regierung unangebracht, offiziell den Genozid an den Armeniern anzuerkennen“, sagte Gozi. Diese Kontroverse zu lösen sei nicht Aufgabe von Regierungen, sondern sollte Historikern überlassen werden.

Auch den möglichen Beitritt der Türkei in die Europäische Union, brachte Gozi in Zusammenhang mit der aktuellen Debatte. Man wolle mit der Türkei besonders an aktuellen Themen arbeiten, so zum Beispiel an der Stärkung der Menschenrechte, dem Umgang mit Minderheiten und der Demokratie. Italien hatte den Beitritt der Türkei in die EU stets unterstützt und versucht, während ihrer Ratspräsidentschaft im Jahr 2014, voranzutreiben, so der Worldbulletin. Auch damals hatte sich Gozi hinter die Türkei gestellt. Wie die Europäische Union zu der Genozid-Frage steht, wird noch in dieser Woche entschieden. Das europäische Parlament entscheidet offiziell per Abstimmung, wie es mit dem Begriff des Völkermordes umgehen will. Eine Schuld-Anerkennung eines Völkermordes hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan grundsätzlich ausgeschlossen, so die Hurriyet.

Diplomatischer Eklat

Mit den Äußerungen des Papstes hatte dieser eine diplomatische Lawine ins Rollen gebracht. Während der Sonntagsmesse im Vatikan hatte Papst Franziskus die Vorfälle des Jahres 1915 als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts bezeichnet und in direkte Verbindung mit deutschen und russischen Kriegsverbrechen gebracht, so die Financial Times. Bei der Messe war auch der armenische Präsident  Serzh Sargsyan anwesend. Daraufhin wurde der Botschafter des Vatikan in der Türkei einbestellt und der türkische Botschafter im Vatikan abberufen (mehr hier).

Umgehend meldeten sich der türkische Regierungschef Ahmet Davutoğlu zu Wort und bezichtigte den Papst mit seinen Äußerungen Rassismus zu schüren, während Erdoğan die Äußerungen als „Unsinn“ bezeichnete (mehr hier). „Ich möchte ihn dafür rügen und warnen“, sagte Erdoğan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag in Ankara. „Der geehrte Papst wird diese Art von Fehler höchstwahrscheinlich nicht wieder begehen.“ Erdoğan fügte hinzu: „Wenn Politiker und Geistliche die Arbeit von Historikern übernehmen, dann kommt dabei nicht die Wahrheit, sondern so wie heute Unsinn heraus.“

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