Sezen Aksu und Sertap Erener: Türkische Stars sagen Kinderehen den Kampf an

Die zwei bekannten türkischen Musikerinnen Sezen Aksu und Sertap Erener wollen ihre Popularität nutzen, um ihre Landsleute auf das Leid von Kinderbräuten aufmerksam zu machen. Sensibilisieren möchten die beiden Popstars mit einem Videoclip. Unterstützt werden sie dabei von einer der mächtigsten Frauen der Türkei, Güler Sabancı.

Die 60-jährige Aksu und ihre 50 Jahre alte Kollegin Erener präsentierten ihren Videoclip zum Thema Kinderehen am Dienstag der Sanabncı Stiftung. Güler Sabancı, Vorsitzende der Sabancı Holding und Gründerin der Sabancı Stiftung, zeigte sich begeistert vom Engagement der beiden Frauen.

„Wir müssen Hand in Hand kontinuierlich für eine Zukunft arbeiten, um den Jungen und Mädchen Menschenrechte sowie das Recht auf ihre Jugend gewährleisten zu können“, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Cihan Güler Sabancı, die den Clip erstmals am 10. Dezember 2014 zu sehen bekam. Künftig soll „Kız Leyla” von Regisseur Çağan Irmak sowohl in den Sozialen Netzwerken als auch in allen TV-Kanälen zu sehen sein. Ziel sei es, das Thema Kinderehen permanent ins Bewusstsein zu rücken.

Nach wie vor gibt es in der Türkei eine hohe Zahl an so genannten Kinderbräuten. Noch immer spielen sich derartige Schicksale vor allem in den ländlichen Regionen im Osten und Südosten der Türkei ab. Mit Stand November 2014 gab es in der Türkei 181.000 verheiratete Mädchen unter 18 Jahren, so das türkische Statistikinstitut (TurkStat).

95 Prozent aller verheirateten Türken unter achtzehn Jahren sind Mädchen. Dies berichtete die amerikanische Nachrichtenseite Al-Monitor bereits Anfang 2014 unter Verweis auf Auskünfte des türkischen Innenministeriums. Jede vierte Braut sei minderjährig. „Die Praxis von Familien, ihre Töchter älter für die Hochzeit zu bewerben als sie sind, hat um 94 Prozent zugenommen“, so zitierte auch die Hürriyet Gülten Kaya, Vorsitzende des Rechtsschutz-Ausschusses der Menschenrechtsorganisation „Union of Turkish Bar Assocation“. Somit wird die Mindestgrenze der Eheschließung unterlaufen.

Das gesetzliche Mindestalter für Frauen in der Türkei wurde letztmalig 2002 von 15 auf 18 angehoben. Die frühe Verheiratung wirkt sich negativ auf Alphabetisierung, berufliche Chancen und somit auf Selbstverwirklichung junger Frauen aus. Nach einem Bericht von nsnbc unter Verweis auf eine Studie der Universität Gaziantep liegt die Alphabetisierung minderjährig verheirateter Frauen bei gerade einmal 18 Prozent.

Bereits seit Ende 2012 herrscht innerhalb der türkischen Parteienlandschaft Konsens darüber, dass die neue Verfassung so ausgestaltet sein sollte, dass es künftig keine Kinderbräute mehr geben kann. Für die entsprechende Klausel gibt es seither folgenden Entwurf: „Der Staat wird Vorsorge treffen, um mit Gewalt geschlossene oder in zu frühen Jahren eingegangene Ehen von Mädchen zu verhindern.“ (mehr hier).

Erneut in den weltweiten Fokus gerückt wurde das Thema zuletzt am 11. Oktober 2012 mit dem ersten internationalen Weltmädchentag der Vereinten Nationen. Ziel war es, die Aufmerksamkeit auf all jene Mädchen zu lenken, die in vielen Teilen der Welt immer noch starken Benachteiligungen ausgesetzt werden. Im Zentrum stand, neben Gesundheit und Bildung, auch das Thema Kinderheirat. In seiner Botschaft zum Weltmädchentag stellte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon damals heraus:

„An diesem ersten Internationalen Tag des Mädchens richtet sich der Blick der Vereinten Nationen vor allem auf das Problem der Kinderheirat. Jede dritte Frau, die heute zwischen 20 und 24 Jahre alt ist, hat vor ihrem 18. Lebensjahr geheiratet. Das sind allein in dieser Altersgruppe mehr als 70 Millionen Frauen. Obwohl die Anzahl minderjähriger Bräute in den letzten 30 Jahren zurückgegangen ist, ist der Kampf gegen Kinderheirat weiterhin eine Herausforderung, insbesondere in den ländlichen und armen Regionen der Welt.“

Im selben Jahr hatten sich allein sechs Kinderbräute das Leben genommen.

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