US-Waffenlobby: Muslime errichten „No Go“-Zonen in den USA

Die National Rifle Association (NRA) hetzt auf ihrer Jahrestagung gegen Muslime in den USA. Diese würden mancherorts ganze Siedlungen für sich einnehmen, in die sich dann nicht einmal mehr Polizisten trauten. Mit solchen Parolen rennt die US-Waffenlobby offene Türen ein, gilt doch die muslimische Community als unbeliebteste religiöse Gruppe im ganzen Land.

Verantwortlich für die Hetzrede gegen US-amerikanische Muslime zeichnet Steve Tarani. Der Autor, selbst ernannter Trainer und Sicherheitsexperte, sprach im Rahmen der NRA-Jahrestagung in Nashville eine Stunde über die negativen Auswirkungen und gar Bedrohungen muslimischer Mitbürger auf die Gesellschaft. In einigen Gegenden würden sie verstärkt Fuß fassen. Mit seiner Ansicht nach verheerenden Konsequenzen.

„Die Straßenschilder sind plötzlich nicht mehr Englisch, sondern auf Arabisch“, zitiert die Nachrichteseite Telesur TV Tarani. Seinem Publikum schilderte er ausführlich eigene Erfahrungen, die er sammeln konnte, als er sich in ein von Muslimen „kontrolliertes“ Gebiet wagte. „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen. Ich erlebte es auf dem Rücksitz eines Autos, und es ist echt. In den Vereinigten Staaten gibt es ‚No Go‘-Zonen“, so der Waffenlobbyist weiter.

Nach Angaben eines Freundes von Tarani vom Detroit Police Department, gebe es im mehrheitlich muslimischen Dearborn, einer Stadt im Bundesstaat Michigan, bereits Zonen, in diedie Polizei nicht gehen könne. Tarani schildert:

„’Wir passieren diese Linie nicht.‘ Ich fragte Jeremy, ‚Was meinst du damit? Ihr seid die Detroit Metro. Ihr seid das SWAT-Team. Ihr könnt hingehen, wohin auch immer ihr wollt. Was passiert, wenn ihr einen Notruf von dort bekommt?‘ Er sagte, ‚es ist zu gefährlich für unser Team diese Linie zu überqueren.“

Die Zuhörer in Nashville warnte Tarani außerdem, dass es sehr gut möglich sei, dass 20 Prozent der Jungs, die über die US-Grenze kämen, der Hamas, der Muslimbruderschaft, der äthiopischen Al Shabaab oder bekannten Banden angehörten. Dass Al-Shabab in Somalia enstanden ist und nicht aus Äthiopien stammt, fiel dem Redner jedoch nicht auf. Weiterhin behauptete der Redner, dass die angesprochenen Gebiete dem Recht der Scharia unterstehen würden. Aus diesem Grunde sei es seiner Meinung nach auch ratsam, sich zu bewaffnen, um sich schnell zu verteidigen.

Tarani ist jedoch nicht der einzige, der in diesem Jahr mit solch fragwürdigen Aussagen in die Öffentlichkeit gegangen ist. Negativ fiel in diesem Zusammenhang auch Fox News auf. Im vergangenen Januar behauptete dort ebenfalls ein Experte, dass muslimische Extremisten bestimmte Gebiete in europäischen Staaten, wie unter anderem Großbritannien, eingenommen hätten, in denen sie nach den Regeln der Scharia leben würden.

Der Fox News-Terrorexperte  Steven Emerson präsentierte sogar Karten mit den vermeintlichen Zonen. Die Aussagen sorgten im Internet für massive Gegenreaktionen. Sogar der britische Premier David Cameron schaltete sich ein und bezeichnete Emerson als „kompletten Idioten“. Später entschuldigte sich der Sender dafür, dass man diesen Mann zu Wort kommen ließ.

Nichtsdestotrotz sind es gerade solche Kommentare wie die von Tarani und einem vermeintlichen Experten namens Emerson, die die negative Stimmung gegen Muslime in den USA weiter befeuern könnten. Wie das renommierte Pew Research Center in einer 2014 durchgeführten Studie festgestellt hat, gelten Muslime unter Amerikanern schon jetzt als die am geringsten geschätzte religiöse Gruppierung.

Erst Mitte Februar wurden in Chapel Hill, North Carolina, drei Muslime kaltblütig erschossen (mehr hier). Nach wie vor ist der Hintergrund der Tat unklar. Kurz nach dem Angriff, vertrat die Polizei die Ansicht, dass die Morde offenbar durch einen Streit um die Parkplätze am Apartmentkomplex, wo Täter und die Opfer lebten, motiviert wurde. Die Familien der Opfer behaupten jedoch, dass sie angegriffen wurden, weil sie Muslime waren und halten das Ganze daher für ein Hassverbrechen. Das FBI untersucht derzeit noch, ob ein solches Motiv tatsächlich infrage kommt. Der Täter selbst hatte sich vor der Tat als radikaler Atheist bezeichnet. Ihm droht die Todesstrafe (mehr hier).

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