Casino-Tourismus: Türkischer Bürgermeister verspielt Steuergelder in Bulgarien

Ein Istanbuler Distrikt-Bürgermeister soll in den vergangenen Jahren regelmäßig nach Bulgarien gefahren sein, um dort in einem Luxus-Casino Steuergelder zu verspielen. Die Freizeit-Reisen soll er mit seinem Dienstwagen getätigt haben. Den Skandal deckte ausgerechnet ein Parteikollege von ihm auf, der ebenfalls Casino-Gänger war. Unklar bleibt, ob sich die beiden zuvor wegen Frauen oder Geld zerstritten hatten.

Der Bürgermeister des Istanbuler Stadtviertels Silivri, Özcan Işıklar, soll über einen unbekannten Zeitraum regelmäßig nach Bulgarien gefahren sein, um dort ein Luxus-Casino aufzusuchen, berichtet die Regionalzeitung Bakirköy Gazetesi. In dem Nymphes Princess Casino in der Stadt Svilengrad soll er dann mit den Geldern der türkischen Steuerzahler ausgiebig umgegangen sein.

Aufgeflogen ist Işıklar, nachdem sein Parteikollege von der CHP, Ünal Doğrul, Bilder von seinem Besuch im Casino auf Facebook veröffentlicht hatte. Doğrul veröffentlichte auch ein Foto seinem Audi-Dienstwagen mit dem Kennzeichen 34 ZLG 34, der auf dem Casino-Parkplatz geparkt hatte.

Nach Angaben der Zeitung Akşam soll es nach Aufdeckung des Skandals zu einem parteiinternen Streit der CHP Istanbul gekommen sein. In den Stadträten der Istanbuler Viertel Silivri, Avcılar und Şişli, die von der CHP dominiert werden, kam es zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Stadtrats-Mitgliedern und den jeweiligen Bürgermeistern. Einige Stadträte gaben aus Protest gegen die CHP-Bürgermeister ihre Ämter auf. Auch der Berater des Bürgermeisters von Şişli, Ali Adnan Aslan, gab seinen Posten auf. Er hatte sich zuvor beim CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu über die grassierende kommunale Korruption beschwert und machte seinen eigenen Bürgermeister für die Missstände verantwortlich. Doch eine Antwort der CHP-Spitze blieb aus.

Kurz vor den Parlamentswahlen am 7. Juni steht die Oppositions-Partei CHP vor einer Zerreißprobe. Sie versuchte im Zuge des Skandals um die Korruptions-Affäre der Regierungspartei AKP politischen Profit zu schlagen. Nun muss Kemal Kılıçdaroğlu beweisen, dass er anders als seine politischen Gegner ist und Korruption innerhalb seiner Partei nicht duldet.

Regierungskritiker wiederum sagen, die AKP wolle die Wählerschaft der Oppositionsparteien weiter spalten, um ein möglichst gutes Ergebnis bei den Parlamentswahlen zu erzielen. Deshalb sei ihr jeder noch so kleine Fauxpas recht, um die CHP in den Augen der Bürger ins Abseits zu drängen.

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