Stolze Türken: Reichtum ist keine Schande

Für gut die Hälfte der türkischen Bevölkerung gehören wirtschaftliche Fragen zu den drängendsten Problemen in ihrem Leben. Wie eine aktuelle Umfrage ergab, sorgen sich die Bürger vor allem um ihren Arbeitsplatz und ihre finanziellen Mittel. Überraschend: Das Thema Terrormiliz Islamischer Staat (IS) spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Die Sorgen der Türken drehen sich derzeit vor allem um ökonomische Belange. (Foto: Flickr/ Cooking by Andrey CC BY 2.0)

Die Sorgen der Türken drehen sich derzeit vor allem um ökonomische Belange. (Foto: Flickr/ Cooking by Andrey CC BY 2.0)

Die am 16. April veröffentlichte Umfrage ergab, dass insgesamt 33,1 Prozent der Befragten die Arbeitslosigkeit als das wichtigste Problem der Türkei betrachten. Für 10,7 Prozent der Umfragteilnehmer war die Armut das vorrangiste Problem, während 8,2 Prozent sagten, es sei die wirtschaftliche Instabilität.

Das ist der höchste Prozentsatz, den ich seit langem gesehen habe“, so Ali Çarkoğlu von der Koç University zur hohen Sorge eines Jobverlustes unter den türkischen Bürgern. Çarkoğlu hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits zahlreiche ähnliche Untersuchungen durchgeführt. Diesmal führte er die Umfrage gemeinsam mit Ersin Kalaycıoğlu von der Sabanci Universität und Eric Nisbet von der Ohio University durch.

Kombiniere man diese drei höchsten Werte, so zeige sich ganz deutlich, dass die Hälfte der Türken glauben, wirtschaftliche Fragen seien die wichtigste Probleme in der Türkei, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Von den 2356 Personen, die in persönlichen Interviews befragt wurden, habe übrigens niemand die Kopftuchfrage als wichtiges Problem für die Türkei betrachtet. Ein Aspekt, der in früheren Erhebungen durchaus vorgekommen sei, so Çarkoğlu.

Für 10,4 Prozent der Teilnehmer gehörten die Themen Terrorismus und nationale Sicherheit ganz oben auf die Agenda. 6,4 Prozent sahen hingegen die Kurdenfrage als größtes Problem des Landes an. Überraschenderweise liegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die türkische Außenpolitik und Syrien deutlich weiter hinten. Nur 3,4 Prozent sehen diese Aspekte als größte Probleme. Im Gegensatz dazu gaben jedoch 34,9 Prozent an, dass das Thema IS derzeit das weltweit drängendste Problem sei. Und es auch in Zukunft bleiben werde. Immerhin 12,9 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass IS, Außenpolitik und Syrien auch für die Türkei künftig die entscheidenden Sorgenkinder sein werden.

Umweltprobleme wie etwa Wasserknappheit oder Energiefragen beschäftigen die Umfrageteilnehmer hingegen auffallend wenig. Nur 0,3 Prozent sehen hier die Priorität. Eine etwas größere Anzahl der Befragten, nämlich 6,3 Prozent, gab allerdings an, dass sie die wichtigste Probleme des Landes in der Zukunft seien. 17,2 Prozent glauben sogar, dass sie für die ganze Welt künftig das größte Problem darstellen werden, falls notwendige Maßnahmen nicht ergriffen würden. Das Fazit: Die Ergebnisse spiegeletn ein gewisses Bewusstsein für Umweltfragen, wenn auch nur für die Zukunft, so Çarkoğlu.

Die Umfrage ergab zudem, dass die Zufriedenheit mit der Qualität der Medien sowie die Zensur in der Presse in hohem Maße von der Parteizugehörigkeit abhängt. Während 37,4 Prozent der AKP-Anhänger angaben, mit den Publikationen zufrieden zu sein, gaben das nur 13,1 Prozent der Anhänger anderer Parteien an. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch beim Thema Zensur. Allerdings gebe es auch unter AKP-Anhängern eine erhebliche Menge, die mit der Zensur in den Medien nicht zufrieden sei , so Çarkoğlu weiter. Auf der anderen Seiten lehnten aber nur 4,9 Prozent der AKP-Anhänger die Internetzensur kategorisch ab. 13,80 Prozent befürworteten Sperren, etwa von Twitter, sogar ausdrücklich.

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