Türkische Wissenschaftler starten Petition: Minecraft darf nicht verboten werden

Führende Wissenschaftler in der Türkei wollen ein drohendes Verbot des Videospiels „Minecraft“ verhindern. Die Fachleute für Game-Studien haben jetzt eine Petition auf change.org gestartet, um so auf die umstrittene Initiative des türkischen Ministeriums für Familie und Sozialpolitik aufmerksam zu machen.

Die Wissenschaftler finden in ihrer am 18. April gestarteten Petition klare Worte. Sie vertreten die Ansicht, dass „Minecraft“ regelrecht dämonisiert wird und warnen:
Das Videospiel dürfe man nicht behandeln wie das tückische synthetische Rauschmittel Bonzai.

Die Petition wurde ursprünglich von 24 türkischen Wissenschaftlern unterzeichnet und am 20. April bei der türkischen Niederlassung der Digital Games Research Association (DIGRA) veröffentlicht, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Die Akademiker verlangen darin die umgehende Veröffentlichung des Reports und der Daten, die der Einschätzung des Ministeriums zugrunde lägen.

Computerspiele sollten im Rahmen der Meinungsfreiheit betrachtet werden“, so die Wissenschaftler. Einschränkungen und Druck auf die Spielkultur mit einem Zensur-Ansatz könnten nicht akzeptiert werden.

Das türkische Ministerium für Familie und Sozialpolitik war Anfang März dieses Jahres zu dem Schluss gekommen, dass das bekannte Videospiel „Minecraft“ zu gewaltätig sei. Die Justiz solle jetzt entscheiden, ob es in der Türkei tatsächlich zu einem Verbot des Open-World-Spiels kommt (mehr hier).

Erst Mitte Februar hatte das Ministerium eine Untersuchung gegen das Videospiel eingeleitet. Anlass seien die zahlreichen Beschwerden gewesen, die an das Ministerium herangetragen worden seien, hieß es in den türkischen Medien. Dabei sei es vor allem um die Gewalt gegen Frauen gegangen (mehr hier).

Die Behörden vertraten die Ansicht, dass das bekannte Open-World-Spiel Gewalt, insbesondere gegen Frauen, fördere. Die Untersuchung zielte darauf ab zu kontrollieren, ob das Spiel tatsächlich Motive enthält, die Gewalt bei seinen Spielern auslösen könnte. Der von der für Kinder zuständigen Generaldirektion angefertigte Bericht war dann zur zuständigen Rechtsabteilung weitergeleitet worden. Diese sei angewiesen worden, möglichst zügig ein Gerichtsverfahren zum Verbot des populären Spiels in Gang zu bringen, hieß es weiter.

Obwohl das Spiel die Kreativität bei Kindern fördert, indem sie Häuser bauen, Äcker bestellen und Brücken kreieren, müssen auf der anderen Seite Mobs [feindliche Kreaturen] getötet werden, um diese Strukturen zu schützen. Kurz gesagt, das Spiel basiert auf Gewalt“, heißt es in dem Report. Das Ministerium befürchtet, dass manche Kinder nicht zwischen der virtuellen und der realen Welt unterscheiden könnten, nachdem sie das Online-Game gespielt hätten. Das könnte sogar soweit gehen, dass sie Tiere quälten und sich nicht einmal bewusst wären, dass diese Schmerzen empfinden. Weiterhin fürchtet das Ministerium, dass es zu einer „sozialen Isolation“ oder „Cyber-Bullying“ kommen könnte. Der Bericht bezieht sich dabei beispielhaft auf die potentielle Spielerfahrung eines neunjährigen Kindes.

Wie die BBC berichtete wurde auch Minecraft-Eigentümer Microsoft auf die türkischen Medien aufmerksam, die über ein drohendes Verbot berichtet hätten. „Minecraft“ hat weltweit mehr als 100 Millionen Spieler. Ein Buch über das Spiel ist nach Angaben der Hürriyet eines der meistverkauften Bücher für Kinder in der Türkei. In nur sieben Monaten seien 80.000 Exemplare verkauft worden. Kommt es nun tatsächlich zu einem Verbot in der Türkei, dürfte das ziemlich einmalig sein. Nach Angaben von Önder Kaplan, von der Vereinigung der Internet Cafes in Ankara, sei das Spiel bislang von keinem einzigen Land verboten worden.

 

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