Tabakunternehmen missbrauchten Islam: Muslime sollten zum Rauchen verleitet werden

„Big Tobacco“ soll einen theologischen Krieg geführt haben, um das Rauchen in der muslimischen Welt zu fördern. Im Visier sollen die großen US-amerikanischen Tabakhersteller vor allem Frauen gehabt haben. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie.

Nicht rauchen aus religiösen Gründen: Für die Tabakindustrie ein No Go. (Foto: Flickr/ no smoking by machechyp CC BY 2.0)

Nicht rauchen aus religiösen Gründen: Für die Tabakindustrie ein No Go. (Foto: Flickr/ no smoking by machechyp CC BY 2.0)

Eine Überprüfung interner Dokumente der Tabakindustrie über mehrere zurückliegende Jahrzehnte hat ergeben, dass „Big Tobacco“ offenbar eine ganz gezielte Kampagne geführt hat. Nach Ansicht eines internationalen Forscherteams gab es eine perfide Botschaft: Nichtrauchen steht in Verbindung mit Extremismus.

Die Kampagne sei so weit gegangen, dass man eigene Anwälte anheuerte, um seine Propaganda gezielt zu verbreiten. Ihr Job sei es gewesen, theologische Argumente gegen islamische Führungspersönlichkeiten zu sammeln, die sich gegen den Tabakkonsum ausgesprochen hätten.

„Das Papier zeigt, wie die Industrie sich bemüht hat, die kulturellen Überzeugungen dieser Gemeinschaften zu verzerren und falsch zu interpretieren“, zitiert das Nachrichtenportal Daily Brew Kelley Lee, Professorin für Gesundheitswissenschaften an der Simon Fraser University und Co-Autorin der Studie. „Und das alles, um ein Produkt zu verkaufen, das die Hälfte seiner Konsumenten tötet.“

Gesundheitskampagnen gegen das Rauchen waren in den westlichen Ländern sehr erfolgreich. Doch mit dem Rückgang der Raucher in Nord-Amerika und Europa hätten sich die Zigarettenhersteller zunehmend den Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zugewandt, heißt es weiter.

Für ihre Untersuchungen durchkämmten die Forscher unzählige interne Dokumente aus mehreren Dekaden, die in der Legacy Tobacco Documents Library in der Universität von Kalifornien, San Francisco und der Guildford Depository in der Nähe von London hinterlegt sind. Diese Bibliotheken verwahren Papiere, die bei Gerichtsverfahren gegen sieben große Tabak-Organisationen in 46 US-Bundesstaaten vorgelegt wurden. Die Forscher fanden bei ihren Studien etwa heraus, dass sich British American Tobacco bereits 1979 besorgt über das islamische Dogma zeigte. Das gehe aus einem Unternehmens-Memo hervor, das Lee und ihre Kollegen ausgegraben hätten. „Der Aufstieg des militanten Islam wirft schwerwiegende Probleme auf. Rauchen und der Konsum von Alkohol werden unter diesem Credo verboten“, soll es darin heißen.

Die Tabakkonzerne hätten zusammengearbeitet, um Tabakkontrolle als eine Art Extremismus darzustellen. Das Ganze sei 1983 nach der Weltkonferenz über das Rauchen und Gesundheit in der Hauptstadt Manitobas unter dem Namen „Project Winnipeg gelaufen, so das Blatt weiter. Es soll Bemühungen gegeben haben, den Rat der Canadian Tobacco Manufacturers mit der Islamwissenschaftlichen Abteilung an der McGill University in Verbindung zu bringen. „Über Berater und Tabak-Rechtsanwälte versuchte die Tabak-Industrie den Koran hinsichtlich ihrer Interessen neu zu interpretieren“, heißt es hierzu in der aktuellen Ausgabe des American Journal of Public Health. Andere Dokumente zeigten Versuche, das Rauchen mit anderen Aspekten des modernen Lebens in Verbindung zu bringen, die Extremisten nicht gut hießen. Darunter auch die Ausbildung von Frauen. Gefunden worden seien auch Taktiken zum Zigarettenschmuggel, Störungen der Gesundheitspolitik oder auch Bemühungen, die Gesundheitsforschung zu verzerren, so Lee weiter.

„In islamischen Ländern des Nahen Ostens und Asiens hat ein rascher sozialer Wandel die transnationalen Tabakunternehmen dazu gebracht, Themen wie Freiheit und Unabhängigkeit in den Zusammenhang mit Frauen zu bringen. Damit erinnerten sie an erinnert an traditionelle Marketing-Kampagnen des 20. Jahrhunderts“, so die Studie.

Lee zufolge hätten sich die Raucherzahlen in muslimischen Ländern stetig erhöht. Verantwortlich dafür seien natürlich viele Faktoren. Doch man wüsste, dass von „Big Tobacco“ in der islamischen Welt agressive Marketing-Kampagnen betrieben worden seien. Und das genau zu jener Zeit, als das Rauchen als haram, also verboten, eingestuft wurde.

Die Wissenschaftler seien ob ihrer Erkenntnisse noch immer geschockt, so das Nachrichtenportal. Lee etwa käme bei dem Gebaren der Tabakindustrie nur eines in den Sinn: Nichts sei heilig.

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