Türkischer Star-Pianist Fazıl Say feiert weltweit Triumphe

Der türkische Star-Pianist Fazil Say hat als Komponist und Pianist in New York und Berlin triumphale Konzert-Auftritte hingelegt. Say zählt zu den absoluten Ausnahme-Künstlern, wird jedoch von der Erdogan-Regierung wegen kritischer Aussagen verfolgt. Mit seiner Musik überlistet er die Zensoren, denn diese könne keine Noten lesen.

Fazıl Say hat in den vergangenen Wochen zwei außergewöhnliche Konzert-Erfolge verbucht: In der New Yorker Carnegie-Hall und im Berliner Konzerthaus gastierte der Komponist und Pianist und wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

In beiden Konzerten trat Say mit dem Orpheus-Orchester auf. Das Ensemble musiziert ohne Dirigent und kommt mit seiner demokratischen Musik-Ausübung zu erstaunlichen Ergebnissen. US-Universitäten wie Harvard oder Yale haben die Methoden des Orchesters studiert, um herauszufinden, wie das perfekte Team-Work funktioniert.

In der New York Times zeigte sich der renommierte Musikkritiker James R. Oestreich vom Zusammenspiel des Orchesters mit Say beeindruckt und würdigt die Dynamik, die die Musiker auf die Bühne brachten.

Im Berliner Konzerthaus rissen die Musiker am Montag das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Bemerkenswert ist, dass es Say gelingt, auch ein deutsch-türkisches Publikum für klassische Musik zu begeistern, das sonst eher selten den Weg in einen Konzertsaal findet.

Say glänzte sowohl als Pianist als auch als Komponist: Bei Mozarts Klavierkonzert Nummer 23 in A-Dur zeigte Say, dass Mozarts Musik mit der improvisatorischen Herangehensweise Says sowohl werktreu als auch „swingend“ erscheint. Vor allem aber gelingt es Say, Emotionalität und höchste technische Perfektion zu vereinen. Dabei ist der Pianist nie oberflächlich, sondern arbeitet mit seiner stupenden Musikalität die dialogischen Strukturen der Komposition so logisch heraus, dass man versteht, warum Mozarts Konzerte heute noch genauso frisch klingen wie vor zweihundert Jahren.

Mit seiner im Auftrag des Orchesters komponierten „Chamber Symphony“ op. 62 präsentierte sich Say als Komponist von hohem Rang. Es gelingt ihm, türkische und orientalische Elemente mit einer zeitgenössischen Sprache zu verbinden. Say erinnert als Komponist an Béla Bartók und Sergej Prokofjew. Starke, unter die Haut gehende Rhythmen wechseln mit lyrischen Passagen und Reminiszenzen an die klassische Umgangssprache. Say stellt sich dem Problem, mit dem alle zeitgenössischen Komponisten konfrontiert sind, in besonders souveräner Weise: Es gelingt ihm, formal streng zu bleiben und dennoch eine Musik zu schaffen, die die Zuhörer berührt. Dabei vermeidet er jeglichen Eklektizismus, liefert also kein billiges Potpourri ungleichzeitiger Stile ab – eine Falle, in die viele Zeitgenossen tappen.

Fazıl Say erwies sich als herausragender Künstler als Botschafter seines Landes, dessen Reichtum auch darin besteht, dass es an den Schnittpunkten verschiedener Kultur eine einzigartige Position einnimmt.

Umso grotesker muss es in diesem Zusammenhang anmuten, dass dieser Künstler von Weltrang von der Regierung Erdogans verfolgt wird: Fazıl Say war wegen eines ironischen Tweets von einem türkischen Gericht belangt worden. Eine Bestrafung wurde auf Bewährung ausgesetzt. Die Antwort auf diese Dummheit eines ideologisch verblendeten Bürokraten-Regimes gibt der Künstler in jedem Konzert auf überlegene Weise: Er antwortet der politischen Repression in der Sprache der Musik und erweist sich als unangreifbar, weil die Zensoren keine Noten lesen können.

Fazıl Say im Interview mit den DTN – hier.

Weitere Konzert-Termine – hier. 

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