Türkei auf dem Weg zur Energie-Großmacht

Mit dem Bau der transanatolischen Pipeline, kurz TANAP, wird die Türkei einer der größten Energiepartner der europäischen Union. Die Türkei hilft der EU dabei, in Zukunft unabhängiger von russischen Energieimporten zu sein. Nun kollidieren türkische und russische Interessen.

Durch die Realisierung der TANAP wird die Türkei zum wichtigsten Energiedrehkreuz für Europa und den Nahen Osten. Mit dem vom russischen Energieriesen Gazprom geplanten Projekt „Turkish Stream“ kollidieren die Interessen Russlands und der Türkei. Beide Staaten hatten bis zuletzt eng miteinander zusammen gearbeitet. Durch das von Russland angestoßene Projekt, soll ein Transportweg für Gas über die Ukraine vermieden werden, was nach der Annexion der Krim und den aktuellen Gefechten im Donbass unmöglich scheint. Russland ist auf die Gelder aus dem europäischen Gasgeschäft angewiesen, weshalb das Ende der Pipeline „Southstream“ für die Regierung in Moskau schwer wog.

Georgien und Aserbaidschan profitieren

Die Türkei würde der EU durch den Bau der TANAP dabei helfen, unabhängiger von russischen Energieimporten zu werden und auf längere Sicht ihren wachsenden Energiehunger stillen. Nun ließ der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu erahnen, dass Ankara dem eigenen Projekt den Vorzug geben würde, so die Hurriyet. Auch für die türkischen Verbündeten Georgien und Aserbaidschan nimmt die Realisierung der TANAP einen hohen Stellenwert ein. Sollte die transanatolische Pipeline mit der Trans-Adria-Pipeline wie geplant 2020 verbunden werden können, würde die EU von einem der weltgrößten Gasfelder in dieser Region versorgt werden (mehr hier).

„Tanap ist der Spitzenreiter der internationalen Pipelineprojekte, weil es zum ersten Mal ein erhebliches Volumen an Gas aus dem kaspischen Becken über die Türkei in den EU-Markt transportieren wird“, sagt Mehmet Ögütcü, Präsident des Bosphorus Energy Clubs, so die DW.

Iran könnte an der TANAP mitwirken

Nun findet sich die Türkei in einem geopolitischen Spiel der Supermächte wieder, denn auch der Iran hatte jüngst sein Interesse an einem Mitwirken an der TANAP angekündigt, berichtet Trend. Die iranische Regierung könnte sich so aus ihrer wirtschaftlichen Isolation gegenüber der EU und den USA lösen. Ankara schloss eine Beteiligung des Iran nicht vollständig aus, verbandt dies jedoch mit der Erfüllung einiger Verpflichtungen, so die Hurriyet.

Damit würde ein weiterer Akteur in den Kampf um den europäischen Energiemarkt mitmischen, der momentan zwischen den USA und Russland entflammt ist. Die Obama-Administration hat ein hohes Interesse daran, Mitteleuropa und ehemalige Sowjetstaaten aus ihrer Abhängigkeit zu lösen, um diese politisch weniger erpressbar zumachen, so PBS. „Es ist ein Schachspiel“, sagte Amos Hochstein, der US-Gesandte in internationalen Energiefragen. Obama versuche schon länger die EU zu einer Abkehr der bisherigen Energiepolitik zu bewegen. Diese solle sich in Zukunft neue Energieressourcen sichern. Erst kürzlich war der amerikanische Außenminister John Kerry nach Bulgarien gereist, um einen Atomdeal einzufädeln. Die USA könnte somit das russische Monopol auf dem bulgarischen Energiemarkt brechen.

Für die Türkei hat die TANAP im Vergleich zum russischen Turkish Stream Priorität, auch in Bezug auf die eigenen wirtschaftlichen Interessen. Das Projekt wird ungefähr neun Milliarden Euro kosten und bei voller Auslastung alleine 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die Türkei liefern, so DW.

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