Neuer Boom: Deutsch als Fremdsprache in der Türkei zunehmend beliebt

Eine Studie hat zutage gefördert: Rund 15,4 Millionen Menschen im Ausland lernen Deutsch. Deutlich mehr Deutsch-Schüler als bei der vorigen Erhebung 2010 gibt es auch in Ländern wie der Türkei, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Insgesamt lernen eine halbe Million Menschen mehr als noch vor fünf Jahren.

Insgesamt gibt es in der Türkei 467.813 Deutschlernende. 96 Prozent davon sind Schüler. (Foto: Flickr/ studying by woodleywonderworks CC BY 2.0)

Insgesamt gibt es in der Türkei 467.813 Deutschlernende. 96 Prozent davon sind Schüler. (Foto: Flickr/ studying by woodleywonderworks CC BY 2.0)

Im Ausland wird wieder mehr Deutsch gelernt. Weltweit sind derzeit etwa 15,4 Millionen Menschen an Schulen, Universitäten oder in Goethe-Instituten im Deutsch-Unterricht. Nach einer Erhebung des Auswärtigen Amts, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde, sind das etwa eine halbe Million mehr als noch vor fünf Jahren. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Maria Böhmer (CDU), sagte: «Damit ist der rückläufige Trend gestoppt.» Im Jahr 2000 lag die Zahl noch bei 20 Millionen.

Das größte Interesse gibt es aktuell im Nachbarland Polen, wo etwa 2,3 Millionen Menschen Deutsch lernen. Deutlich mehr Deutsch-Schüler als bei der vorigen Erhebung 2010 gibt es auch in Ländern wie der Türkei, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Hierzu heißt es in der Studie:

«Die meisten Deutschlernenden gibt es nach wie vor in Europa, wo 9,4 Millionen Menschen Deutsch lernen. Besonders in Nicht-EU-Staaten wie Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Serbien und der Türkei hat das Interesse für Deutsch bemerkenswert zugenommen.»

In der Türkei habe sich die Zahl der Deutschlernenden vor allem im Schulbereich dynamisch entwickelt.  Verschiedene Reformen des Schulsystems hätten dazu beigetragen, dass der Unterricht für Deutsch als  Fremdsprache heute ein sehr viel größeres Gewicht habe als noch einige Jahre zuvor. Insgesamt gibt es in der Türkei 467.813 Deutschlernende. 96 Prozent davon sind Schüler.

An etwa 40 Anadolu Gymnasien werde Deutsch auch als erste Fremdsprache und zudem Fachunterricht auf Deutsch angeboten. Ein Fachberater der ZfA sowie 22 weitere aus Deutschland vermittelte Lehrkräfte unterstützten demnach den DaF und Fachunterricht. Darüber hinaus würden im Rahmen der PASCH Initiative 20 Partnerschulen vom
Goethe Institut und weitere 17 Partnerschulen von der ZfA betreut. 2014 haben 465 Schüler das Deutsche Sprachdiplom (DSD) Stufe I  erworben und 228 Schüler das DSD Stufe II, welches als Sprachnachweis für die Zulassung an einer deutschen Hochschule anerkannt ist, so die Studie weiter.

Das Erziehungsministerium habe seit 2013 bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt 1.300 Deutschlehrer eingestellt, nachdem vorher jahrelang eine Stagnation zu konstatieren gewesen wäre. Das Goethe Institut unterstütze diese mit einem umfangreichen sprachlichen und fachlichen Fortbildungsprogramm, das in enger Absprache mit dem türkischen Erziehungsministerium entwickelt worden sei, um einen optimalen Start in
den Beruf sicherzustellen.

In EU-Krisenländern wie Griechenland und Portugal stiegen die Zahlen ebenfalls. Dagegen setzte sich in Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion der Abwärtstrend fort.

In Russland ging die Zahl der Deutsch-Lernenden um annähernd 800 000 auf jetzt nur noch 1,55 Millionen zurück, so die dpa. Der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, führte dies auf eine insgesamt sinkende Bevölkerungszahl und Änderungen im Bildungssystem zurück. «Das hat nichts mit der politischen Situation zu tun», sagte er.

Die Zahlen sind nicht vollständig, weil alleinige Anstrengungen um Deutsch-Kenntnisse oder private Initiativen in der Erhebung nicht erfasst werden. Es gibt auch keine zuverlässige Zahlen, wie viele Menschen über die mehr als 90 Millionen Muttersprachler hinaus weltweit Deutsch sprechen. Nach Schätzungen sind es allein innerhalb der Europäischen Union etwa 60 Millionen.

Hier geht es zur Studie.

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