Schlacht von Gallipoli: Vatikan erteilt Gedenkfeier in der Türkei eine Absage

Der Heilige Stuhl wird nicht bei den Gedenkveranstaltungen zum 100. Jahrestag der Schlacht von Gallipoli („ Çanakkale Savaşı“) am 24. und 25. April in der Türkei präsent sein. Das gab die Botschaft des Vatikans in Ankara bekannt. Seit den jüngsten Völkermord-Aussagen des Papstes sind die Beziehungen zur türkischen Regierung gespannt.

Vertreter der Botschaft des Vatikans in Ankara sollen das Fernbleiben des Heiligen Stuhls gegenüber der türkischen Presse mit einem „Unwohlsein des Kardinals“ begründet haben. In den vergangenen Tagen hatten sich der Papst und der türkische Präsident einen verbalen Schlagabtausch zur Genozid-Frage geliefert. Beide Parteien erhielten von diversen Seiten Unterstützung und demonstrierten so die nach wie vor herrschende Kontroverse bei diesem Thema.

Zuvor war am 10. April der Name von Kardinal Peter Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, auf den Teilnehmerlisten für die Zeremonien des türkischen Außenministeriums aufgetaucht, so die türkische Zeitung Hürriyet.

Papst Franziskus hatte die Gräueltaten an den Armeniern in einer Messe als «ersten Völkermord im 20. Jahrhundert» bezeichnet (mehr hier). «Ich möchte ihn dafür rügen und warnen», sagte Erdoğan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu in Ankara. «Der geehrte Papst wird diese Art von Fehler höchstwahrscheinlich nicht wieder begehen.» Erdoğan fügte hinzu: «Wenn Politiker und Geistliche die Arbeit von Historikern übernehmen, dann kommt dabei nicht die Wahrheit, sondern so wie heute Unsinn heraus.» (mehr hier).

Der Papst wiederum wehrte sich gegen die Vorwürfe aus der Türkei, die Geschichte falsch zu interpretieren. Franziskus verwies in Folge dessen auf die Botschaft der Apostelgeschichte, die Direktheit und christlichen Mut verlangt. Die Kirche könne nicht über das schweigen, was gewesen ist, so der Pontifex (mehr hier).

Die verheerende „ Schlacht von Gallipoli“ („ Çanakkale Savaşı“) wurde während des Ersten Weltkriegs auf der türkischen Halbinsel Gallipoli ausgetragen und forderte 100.000 Tote sowie 250.000 Verwundete. Die hierzu in der Türkei anberaumten Feierlichkeiten hatten bereits in Armenien für gehörig Unmut gesorgt. Schon vor einiger Zeit lud der armenische Präsident Sersch Sargsjan seinen Kollegen Recep Tayyip Erdoğan zum nationalen Gedenktag am 24. April ein. Eine Antwort darauf kam nicht, wie Sargsjan kritisiert. Stattdessen schickte Erdoğan selbst eine Einladung – zu einem Gedenktag in der Türkei und ausgerechnet an dem für die Armenier heiligen Jahrestag (mehr hier).

Als Affront will die türkische Regierung die Einladung an Sargsjan selbstredend nicht verstanden wissen. In seinem Brief an Sargsjan lobte Erdoğan vielmehr die Rolle etwa des armenischen Offiziers Sarkis Torosjan beim Schutz des osmanischen Imperiums. In einer Antwort wies der armenische Staatschef den Türken dann aber in die Schranken: «Die früh vom Osmanischen Reich geplanten und umgesetzten massenhaften Pogrome und gewaltsamen Deportationen des armenischen Volkes haben nicht einmal vor Torosjan haltgemacht.»

Die Eltern des Offiziers seien brutal ermordet worden, «seine Schwester starb in der Wüste Syriens», schrieb Sargsjan entsetzt an seinen Kollegen. Statt sich mit der eigenen Vergangenheit ehrlich zu befassen, kritisiert der Armenier, «setzt die Türkei leider ihre traditionelle Politik der Negierung fort». Sargsjan schimpft, die türkische Einladung der Staats- und Regierungschefs zu den Feiern am 24. April sei nicht mehr «als ein primitiver Versuch, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit vom 100. Jahrestag des Genozids an den Armenien abzulenken».

Die Türkei wehrt sich weiterhin vehement dagegen, die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich einen Genozid zu nennen. Aus Sicht der Regierung in Ankara existiert «kein authentischer Beweis, der die Behauptung unterstützt, dass es einen vorsätzlichen Plan gab, Armenier zu vernichten». Zwar würdigte Erdoğan am 24. April vergangenen Jahres «das Leid, das die Armenier zu jener Zeit durchlebt haben». Eine Entschuldigung war das aber nicht.

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