Black Metal in Saudi Arabien: Einzige Band riskiert für ihre Kunst die Todesstrafe

Saudi-Arabiens einziger Black-Metal-Band Al-Namrood könnte in ihrer Heimat der Tod drohen. Die Haltung der Musiker ist absolut antireligiös. In ihren Texten nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Und das ist einem ultrakonservativen islamischen Königreich.

Die Texte von Al-Namrood würden in der westlichen Welt wahrscheinlich keine besondere Aufmerksamkeit erregen. Als einzige Band ihres Genres in Saudi Arabien ist das anders. Das Trio lebt gefährlich. Schicksale, wie die des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi lassen auch um diese Musiker fürchten.

„Die Band entstand aus der kreativen Idee, die arabische Tonleiter und arabische Texte mit Black Metal zu kombinieren. Unser Hauptziel war es, etwas Eingängiges und Hartes zu erschaffen, das die Bedürfnisse des extremen Metal-Fans erfüllt“, so Bassist Mephisto im Gespräch mit dem Magazin Vice.

Schon der Bandname Al-Namrood könnte in Saudi Arabien als juristisch zu ahndende Provokation verstanden werden. Wörtlich bbersetzt bedeutet er „Nichtgläubiger“ und passe, so Mephisto, perfekt zur Botschaft der 2008 in der Provinz asch-Scharqiyya  gegründeten Band, der daneben noch Ostron und Humbaba angehören. Auf die Frage, was sie dazu gebracht habe, in einem dermaßen islamischen Land eine deutlich antireligiöse Haltung einzunehmen, findet er wiederum klare Worte:

„Wir haben die Schnauze voll von Religion. Uns wird von allem, was damit zu tun hat, richtig schlecht. Ich habe mit einem Seelenklempner gesprochen und er hat mir gesagt, wenn mich etwas aufregt, dann muss ich [meine Gefühle] zum Ausdruck bringen. Hier sind wir also und drücken uns aus. Was könnte uns mehr motivieren, als in einem Land zu leben, in dem alles von Religion bestimmt ist? Individuen haben hier im Grunde überhaupt keine Rechte. Wir gehören der islamischen Scharia.“

Aus Sicht des Musikers, der sich gemeinsam mit seinen Bandkollegen über geschmuggelte Bücher und das Internet über Gleichgesinnte weltweit informiert, gebe es in seiner Heimat „sehr viel Heuchelei“. So stimmten die Einheimischen dem islamischen System erwiesenermaßen zu. Als Beispiel nennt er das Thema Musik. Diese sei im Islam grundsätzlich verboten. Doch Muslime hörten diese trotzdem Musik. Ihre Begründung: „Gott vergibt“.

Wenn es allerdings um Entscheidungsfreiheit ginge, sei das völlig anders. Gott vergebe hier nie. Er skzizziert das vorbestimmte Leben eines Muslims von der Geburt bis zum Tod – ohne auch nur jemals eine Wahl, eine andere Perspektive oder gar das Recht auf freie Meinungsäußerung gehabt zu haben. „Diese gesellschaftliche Kontrolle gemischt mit Religion wird in unserem Land für gewöhnlich ohne Einwände ausgeübt“, so Mephisto weiter.

Solch scharfe Sichtweisen haben im ultra-konservativen Saudi Arabien natürlich Konsequenzen. „In radikal islamischen Ländern gilt diese Musik als ein Verbrechen. Wir führen ein Leben in Isolation“, fasst der Bassist das Dilemma zusammen. Die Bandmitglieder verwenden niemals ihre Klarnamen oder veröffentlichen Bilder von sich, so Vice. Selbst die Familien wüssten nicht, was sie da machten. Schwer falle ihnen das aber nicht, so Mephisto. In der Anonymität zu agieren hätten sie seit ihrer Kindheit eingeübt. Doch nicht nur das stellt ein Problem dar: Es sei riskant, und das Risiko wachse, wenn sie sich als Band vermarkten wollten. Allerdings würdden die Hindernisse nicht bei den gesellschaftlichen Aspekten aufhören. Vernünftiges Equipment sei schwer erhältlich, und es könne auch schwierig sein, dieses ins Land zu bekommen.

Al Namrood steht derzeit beim kanadischen Metal-Label Shaytan Productions unter Vertrag, das sich ausschließlich auf Oriental Black Metal und Oriental Dark Ambient spezialisiert hat. An einem Live-Auftritt vermag die Band dennoch gar nicht erst zu denken:

„Es ist unmöglich, weil es illegal ist. Man könnte uns dafür zu Tode verurteilen. (…) Wenn ich mir die Richtung ansehe, in die sich unser Land bewegt, dann würde ich sagen: nicht einmal in Tausend Jahren.“

Im Ausland können Fans ohne Reue in den Genuss ihrer Musik kommen. Die Alben der Band sind in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA erhältlich.

Mehr zum Thema:

Saudi-Arabien verhindert Rede von schwedischer Außenministerin
Schneller Machtwechsel in Saudi Arabien: König Salman hat nicht nur mit IS zu kämpfen
Islamkritischer Blogger in Saudi-Arabien öffentlich ausgepeitscht

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.