Wirtschaftsforscher: Rettungshubschrauber machen 200 Klinik-Schließungen möglich

Durch die Anschaffung neuer Rettungshubschrauber könnten 200 verlustschreibende Kliniken in Deutschland geschlossen werden. Wirtschaftsforscher rechneten aus, dass die mobile Notfallversorgung durch die Hubschrauber 500 Millionen Euro günstiger ist, als die insolvenzgefährdeten Kliniken in Deutschland zu erhalten.

In Deutschland können 200 verlustschreibende Kliniken geschlossen werden, ohne dass dies die Versorgungssicherheit gefährden würde. Die Schließung der Standorte könne durch neue Rettungshubschrauber kompensiert werden, die die Notfallversorgung gewährleisten soll. Zu dem Schluss kommt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, wie das Ärzteblatt berichtet.

Die Schließung der Kliniken wäre dem RWI zufolge 500 Millionen Euro günstiger als dessen Weiterbetrieb. 150 öffentliche Kliniken sowie 80 freigemeinnützige und 10 private Kliniken sind akut insolvenzgefährdet. Um diese Häuser zu erhalten, müssten pro Jahr 675 Millionen Euro für Verluste aufgebracht werden. Zusätzlich bedarf es noch an jährlichen Investitionsausgaben in Höhe von 865 Millionen Euro.

Das RWI rechnet vor, dass von den 240 insolvenzgefährdeten Kliniken nur 30 erhalten werden müssten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Versorgungssicherheit bleibe dann bestehen, wenn die Fahrtzeit zum nächsten Haus der Grundversorgung 30 Minuten nicht überschreitet. Ein Maximalversorger muss in 60 Minuten und eine Notfallversorgung innerhalb von 12 Minuten erreichbar sein.

Durch die Schließung der Kliniken wird zwar die Versorgungssicherheit ausgedünnt. Dafür soll aber die Mobilität erhöht werden: Das RWI schlägt daher vor, 30 neue Rettungshubschrauber in die Rechnung einzukalkulieren, um die Notfallversorgung sicherzustellen. Die Kosten dafür betragen 790 Millionen Euro. Sie ließen sich fast vollständig durch die nicht mehr zu zahlenden Verluste und Investitionen der zu schließenden Kliniken finanzieren.

Die Versorgungssicherheit in Deutschland wäre gewährleistet und Kosten würden gespart. Allerdings sähe die Notfallversorgung in den Regionen ohne Krankenhaus dann anders aus. Die Logistik für den Krankenhaustransport durch die Luft – in Form von Start- und Landeplätzen – müsste verbessert werden. Außerdem würde eine Schließung von derart vielen Kliniken die Fahrtzeit zum Krankenhaus in betroffenen Regionen fast verdoppeln, teilt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit.

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