Renovierung im Großen Basar: Istanbuler Polizei räumt Läden gewaltsam

Die Istanbuler Polizei hat in dieser Woche zahlreiche Läden im Großen Basar zwangsgeräumt. Tags zuvor wurden bereits 20 Pächter festgenommen. Allesamt hatten sie gegen die umfassenden Renovierungsarbeiten in einem der größten und ältesten überdachten Märkte der Welt protestiert.

Insgesamt sollen am vergangenen Mittwoch 80 Läden im Abschnitt Sandal Bedesten unter der Aufsicht der Polizei geräumt worden sein. Die Läden befinden sich im Besitz der Generaldirektion für Stiftungen und waren langfristig vermietet worden. Mit der Entscheidung der Behörden, nun umfassend zu renovieren, waren nicht alle einverstanden.

Die Pächter seien schriftlich von der Gemeinde in Kenntnis gesetzt worden, dass sie ihre Läden aufgrund der anstehenden Arbeiten bis zum 22. April zu räumen hätten, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Diese kritisierten jedoch, dass sie in die Renovierungsarbeiten einbezogen werden sollten. Ihrer Ansicht nach sei die Ausschreibung für den Bereich für die örtlichen Ladenbesitzer auf dem Basar zu teuer gewesen.

Einige der Pächter, die ihre Läden bereits seit über 20 Jahren betrieben, erklärten darauf hin, dass sie ihre Geschäfte nicht verlassen und den Bereich des Großen Basars am 21. April besetzen würden, so die Zeitung weiter. Tatsächlich schlossen sie die vier Türen des Bereichs und weigerten sich, diesen zu verlassen. Darauf hin wurde schließlich die Bereitschaftspolizei alarmiert, die sich dann gewaltsam Zugang verschaffte. Dabei wurde eine historische Tür zerstört. 20 Ladenbetreiber wurden festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

„Die Polizei wies uns an, nicht hinter der Tür zu stehen. Wir antworteten ihnen, dass wir bleiben, bis wir sterben. Wir verbrennen uns selbst, wenn nötig. Und wir haben tatsächlich daran gedacht, uns aus Protest selbst zu verletzen“, sagt Erman İpço, der beim Protest dabei war. Plötzlich sei es dann passiert. Niemals hätten sie damit gerechnet, dass die Polizei eine historische Türe sprenge und Trängengas zum Einsatz käme.

Bereits im März 2014 kündigte die Stadtverwaltung die umfassenden Renovierungspläne an (mehr hier). Die Kosten für das Mega-Projekt wurden mit 200 Millionen Lira, umgerechnet 65.780.000 Euro, angesetzt. Das Belebungs- und Instandsetzungsprojekt beinhaltet auch aufwendige Arbeiten auf dem riesigen Dach des Basars. Immerhin finden sich unter diesem 3600 Geschäfte und 38 Gaststätten.

Pläne für die Wiederherstellung des 550 Jahre alten Basars seien schon länger in der Pipeline der Verantwortlichen, so das Nachrichtenportal Worldbulletin. Als es 2012 zu einem kleinen Unfall auf dem Dach des Baus während der Dreharbeiten zum Hollywood-Blockbuster „Skyfall“ kam, gerieten diese jedoch unter Zugzwang (mehr hier). Bereits 2014 war der erste Teil der Renovierungsarbeiten fast abgeschlossen, so die zuständige Gemeinde Fatih. Noch im gleichen Jahr sollte die zweite Runde der Restaurierungsarbeiten, die Innenarbeiten, wie Infrastruktur und Heizung beinhalten, starten.

Bereits seit zehn Jahren gibt es Bestrebungen das historische Bauwerk zu restaurieren. Doch erst ein Unfall beim Dreh von Action-Szenen auf dem Dach (mehr hier) erregten die Aufmerksamkeit der Gemeindeverwaltung, so Faruk Bektas, Vorstandsmitglied der Vereinigung Großer Basar. Pünktlich zum Drehbeginn in Istanbul raste damals zunächst ein Stuntman mitten in ein historisches Juweliergeschäft, das zwischen 1461 und 1489 gebaut wurde. Der Unfall zerstörte eine wertvolle Kristallscheibe und verstreute das nicht minder kostbare Inventar überall auf dem Boden des Basars. Nur kurz darauf kam es dann zum nächsten Zwischenfall: Diesmal waren gleich drei Motorräder auf dem Dach des Großen Basars, das1785 erbaut wurde, unterwegs. Mit Schrecken mussten die türkischen Fernsehzuschauer in den Abendnachrichten sehen, wie der wilde Ritt der Filmemacher dutzende alte Dachziegeln zerstörte. Mit hölzernen Trennwänden wurde anschließend versucht, der Schaden unsichtbar zu machen.

Während 92 Prozent des „Großen Basars“ einzelnen Ladenbesitzern gehört, hält der Verband gerade einmal acht Prozent. Es wird erwartet, dass Erstere für 90 Prozent der Kosten aufkommen. 20 Millionen Lira kommen von der Fatih-Gemeinde. Der „Große Basar“ verfügt über 61 überdachte Gassen und über 3.000 Geschäfte, die zwischen 250.000 und 400.000 Besucher täglich anziehen. Der Bau des Kerns begann im Winter 1455/56, kurz nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel. Sultan Mehmet II. ließ damals ein Gebäude zum Handel mit Textilien errichten.

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