Sex und Islam: Selbst für Imame ist das kein Tabu mehr

Die Meldung über einen Sex-Shop im ultrakonservativen Mekka sorgt derzeit für Aufsehen. Dabei sind islamische Theologen diesem Thema gegenüber alles andere als verschlossen. Sie sagen: Auch Sex ist eine Form der Gottesverehrung.

Schon bald könnte die heilige Stadt Mekka über ihren ersten Sex-Shop verfügen. Was Ultrakonservativen den Schweiß auf die Stirn treibt, ist für liberale allerdings überhaupt kein Problem. Bereits 2013 mischte sich ein bekannter islamischer Theologe in den konservativen Kurs des damaligen Premiers Erdoğan ein. Vehement postulierte dieser zu jener Zeit das Ziel, eine religiöse Jugend heranzuziehen. Ehe und Familie galten ihm als die höchsten Güter.

„Sex ist ein Teil der göttlichen Ehrerbietung und gleichzusetzen mit dem täglichen Gebet“, zitierte damals The Economist den bekannten türkischen Theologen Ali Riza Demircan. Seine nicht nur für die türkische Obrigkeit offenbar zu provokanten Aussagen auf Haberturk TV lösten zu jener Zeit eine konservative Gegenreaktion aus, die den Gottesmann schließlich dazu zwangen, seine Ansichten zu relativieren und zu erklären, dass Sex und Gebete nicht den gleichen Wert hätten.

Familienberaterin Sibel Üresin mischt sich ein

Doch damit nicht genug: Ganz zur Freude der türkischen TV-Sender sei die „Islam und Sex“-Debatte immer lauter geworden. Eingeschaltet habe sich, so das Blatt weiter, schließlich auch eine junge islamische Anwältin, Kolumnistin und TV-Moderatorin. Die bekannte Lebens- und Familienberaterin Sibel Üresin, in der Türkei übrigens nicht ganz unumstritten (mehr hier), sagte: „Der Weg zu einem richtig guten Gebet führt über die richtige sexuelle Vereinigung.“ Ein Gedanke, der aus ihrem Munde noch nicht einmal befremdlich klingt. Immerhin: Die viel diskutierte Dame gilt als glühende Verfechterin der Polygamie und forderte schon 2011 die Legalisierung der Vielehe, die auch der Koran gutheiße. Um ihre Ansichten zu unterstreichen, bot sie bereits ihren Ehemann einer Freundin an (mehr hier).

Glaube und Sexualität unter einen Hut zu bringen ist für nicht wenige Muslime kein einfaches Unterfangen. Der Onlinemarkt, so stellt auch The Economist heraus, boome. Hier können ganz ungeniert auch heikle Fragen gestellt werden. „Ist Oralsex akzeptabel?“, frage da etwa eine unsichere Seele. Die Antwort folgt auf dem Fuße. „Die Zunge mit Verunreinigungen wie Sperma und Urin in Berührung zu bringen ist widerlich“, stellt Nureddin Yildiz, ein Prediger auf fetvameclisi.com heraus. Zur Beruhigung schiebt er jedoch hinterher: „Alles andere sei zwischen einem verheirateten Paar jedoch erlaubt.“

Der nun geplante halal Sex-Shop in Mekka ist die Idee von Abdelaziz Aouragh. Dieser soll sein Konzept bereits im vergangenen Jahr verkündet haben. Mittlerweile sind seine Pläne wohl so weit ausgereift, dass der Laden kurz vor der Eröffnung steht (mehr hier).

Der künftige Sex-Shop-Besitzer will für sein Vorhaben sogar den Segen eines saudischen Klerikers haben, berichtet Russia Today. Dieser soll ihm nämlich erklärt haben, dass seine Idee „zur Verbesserung der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau“ führen könnte.

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