Türkei: Lira erneut auf Talfahrt

Wenige Monate vor den Parlamentswahlen trüben sich die wirtschaftlichen Aussichten in der Türkei ein. Sowohl die Arbeitslosigkeit ist auf einem ungekannten Rekordhoch, als auch die türkischen Lira zeigten sich zurzeit schwach. Schuld daran ist wohl die türkische Zentralbank.

Kurz vor den türkischen Wahlen im Juni, scheint die türkische Wirtschaft ungeahnte Schwächen zu offenbaren. Während die türkische Währung unter der Politik der Zentralbank leidet, sind fast 11 Prozent der türkischen Bevölkerung arbeitslos. Die türkische Regierungspartei AKP ist jedoch auf eine positive Stimmung im Wahlvolk angewiesen. Sie benötigt eine komfortable Mehrheit, um die angestrebte Verfassungsänderung zu erwirken. Sie soll den im letzten Sommer zum Staatspräsident gewählten Recep Tayyip Erdoğan zum starken Mann im Staat machen.

Zentralbank verpasst Chance

Verantwortlich für den schwachen Stand der türkischen Währung ist wohl vor allem die türkischen Zentralbank. Diese habe es in der Vergangenheit verpasst, die Währung mit ausreichend Maßnahmen zu stützten, so die Hurriyet. Weiterhin hätten sich auch politische Spannungen negativ auf den Kurs ausgewirkt. Ähnliches war  schon in der Vergangenheit passiert (mehr hier). Der Lira fiel erneut um 0,6 Prozent zum amerikanischen Dollar. Im Gegensatz dazu war die Stimmung an den Börsen anderer aufstrebender Märkte positiv. Die chinesische Börse verzeichnet momentan ein 15-Jahres-Hoch. Was an den Maßnahmen liegt mit denen die chinesische Zentralbank den eigenen Markt mit ausreichend neuem Geld versorgt. Wie sich diese Eingriffe zukünftig auswirken werden bleibt ungewiss. „Es ist schwer abzusehen wie aggressiv diese sein werden, aber es ist klar, dass sie begonnen haben und das ist hilfreich auch für den Rest Asiens“, so Lars Christensen von der Danske Bank in der Hurriyet.  Die chinesische Zentralbank hatte die Höhe der Währungsreserven, die Banken im eigenen Haus halten müssen, um im Ernstfall liquide zu sein, heruntergesetzt. In der Türkei hatten sich die unterschiedlichen Äußerungen hinsichtlich der Währungs- und Wirtschaftspolitik  im Wahlkampf negativ auf die Währung ausgewirkt. Das Einlenken der Bank schien zu zögerlich.

Jugendarbeitslosigkeit hoch

In der wachsenden Arbeitslosigkeit offenbart sich die abkühlende türkische Wirtschaft. Die Wachstumsraten waren zuletzt stetig gesunken. Dies bestätigte auch der stellvertretende Premierminister Ali Babacan, der schon im März bekannt gab, dass er das Wirtschaftswachstum auf unter 3 Prozent beziffere. Dieser Trend wird durch Zahlen bestätigt, die das Türkische Statistikinstitut  veröffentlichte. Im vierten Quartal des letzten Jahres betrug die allgemeine Jugendarbeitslosigkeit 10,9 Prozent, während die Arbeitslosigkeit in der Gruppe der 16 bis 24 Jährigen mit 20,2 Prozent das erste Mal über die 20 Prozent-Marke kletterte. „Wir müssen uns höhere Wachstumsziele setzen, diese können wir aber nur erreichen indem wir strukturelle Reformen machen.“, so Babacan dem Blatt.

Dieser Trend könnte sich als taktgebend für die nächsten Wahlen erweisen. Trotz solider Staatsfinanzen und einer vorbildlichen Schuldenlast ist die Regierungspartei AKP auf einen anhaltenden Rückhalt in der Bevölkerung angewiesen. Die AKP strebt eine Zweidrittelmehrheit an, um die Verfassung im Parlament ändern zu können. Das politische System der Türkei würde dann zu einem präsidentiellen Regierungssystem tendieren, das Erdoğan zahlreiche neue politische Kompetenzen bescheren würde (mehr hier).

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