Völkermord-Streit zwischen Türkei und Russland entbrannt

Das türkische Außenministerium hat in einer Mitteilung schwere Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin erhoben, der zuvor von „Völkermord“ an den Armeniern gesprochen hatte. Es sei allgemein bekannt, welche kollektiven Massaker und Deportationen Russland gegen Minderheiten vorgenommen habe, so das Ministerium. Trotzdem hätte die Türkei niemals den rechtlichen Begriff des „Völkermords“ benutzt.

Den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin galten lange Zeit als Freunde. (Foto: DTN)

Den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin galten lange Zeit als Freunde. (Foto: DTN)

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den „türkisch-armenischen Krieg im Jahr 1915“ mit den Worten des „Völkermords“ an den Armenien umschrieben. Das türkische Außenministerium zeigt sich in einer Mitteilung erbost. Doch die Reaktion Ankaras gegen Moskau ist wesentlich schärfer ausgefallen als gegen die EU. Nach monatelangen Spekulationen über eine mögliche türkisch-russische Allianz, kommt es offenbar zu einem offenen Schlagabtausch zwischen beiden Staaten.

In der Mitteilung des Außenministeriums heißt es:

„Unsere Erwartungen waren dahingehend, dass Russland die Freundschaft und Sensibilität der Türkei achtet. Dieser Fehler Russlands wird nicht zum Frieden und zum Wohlstand in der Region beitragen. Wenn Russland tatsächlich konstruktiv sein will, sollte es Armenier und die Armenier dazu motivieren, den Freundschafts- und Friedensvorschlag der Türkei anzunehmen“.

In einer anderen Passage fällt der Ton des türkischen Außenministeriums besonders scharf aus:

„Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Russland im Kaukasus, in Zentralasien und in Osteuropa über Jahrhunderte hinweg kollektive Massaker verübt, Menschen deportiert und den Holodomor angezettelt hat und insbesondere gegen Türken und Muslime unmenschlich vorgegangen ist, müsste diesem Land bewusst sein, welche rechtlichen Voraussetzungen für einen Völkermord erforderlich sind“.

Auffällig bei der gesamten Armenier-Debatte ist, dass die USA penibel darauf achten, die Türken nicht zu verärgern. Bisher haben sich der Vatikan, die EU und mittlerweile auch Russland gegen das Land gestellt. Unklar bleibt, welche strategischen und geopolitischen Auswirkungen dieses Ereignis auf die Regionen des Nahen Ostens, den Kaukasus und den Balkan haben wird.

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