Neue Chance auf Dialog: Türkischer Teil Zyperns wird jetzt von Liberalem regiert

Ein dialogbereiter Politiker gewinnt die Präsidentenwahl im isolierten Nordzypern - kurz vor der möglichen Wiederaufnahme von Gesprächen mit dem griechischen Teil der Insel.

Der Liberale Mustafa Akinci wird neuer Präsident der international isolierten Türkischen Republik Nordzypern. Der als dialogbereit und gemäßigt geltende Ex-Bürgermeister des türkischen Teils Nikosias gewann am Sonntag eine Stichwahl gegen den konservativen Amtsinhaber Dervis Eroglu, wie die Wahlkommission mitteilte.

Der 67-jährige Akinci befürwortet Gespräche mit dem griechisch-zyprischen Süden der Mittelmeerinsel. Als Präsident darf er den Chefunterhändler für die UN-Verhandlungen über eine Wiedervereinigung bestimmen, die seit Oktober wegen eines Streits um Gasvorkommen ausgesetzt sind. Außenminister Özdil Nami hatte kürzlich gesagt, er erwarte im Mai neue Gespräche mit dem Süden.

Die 1983 proklamierte Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei anerkannt. Die Teilung geht auf das Jahr 1974 zurück, als türkische Truppen auf der Insel landeten, um einen befürchteten Anschluss an Griechenland zu verhindern. Zypern gehört seit dem 1. Mai 2004 zur Europäischen Union.

Der Regierungssprecher der Republik Zypern, Nikos Christodoulides, begrüßte die Wahl Akincis. Er habe immer die Notwendigkeit einer Wiedervereinigung hervorgehoben. «Wir hoffen auf einen baldigen ehrlichen und substanziellen Dialog.»

Im Süden herrschte teilweise Begeisterung, so die dpa. Sogar viele Bürger aus dem griechischen Teil wurden nach Berichten des staatlichen Fernsehens bei den feierlichkeiten im Nordtteil gesichtet.

Nach Auszählung von rund 98 Prozent der Wahlurnen erhielt Akinci nach Angaben des Senders BRT rund 60 Prozent der Stimmen. Eroglu lag mit rund 38 Prozent deutlich dahinter. Knapp 177 000 Wahlberechtigte im Nordteil der geteilten Mittelmeerinsel waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 64 Prozent.

Eroglu hatte zunächst als Favorit gegolten. Er war in der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag auf 28,2 Prozent der Stimmen gekommen. Akinci lag mit 26,9 Prozent hinter ihm. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Özkan Yorgancioglu hatte die Kandidatur Akincis unterstützt.

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