Eintritt in geschlossenen Markt: Türkische Ziraat Bank will Büro in Afrika eröffnen

Die größte Universalbank der Türkei, die T.C. Ziraat Bankası A.Ş., plant die Eröffnung einer Repräsentanz in Äthiopien. Dem türkischen Wirtschaftsminister Nihat Zeybekçi zufolge hoffe man auf eine Realisierung bis Ende 2015. Damit wäre die Bank eine unter den wenigen Anbietern in einem für Ausländer weitgehend geschlossenen Markt.

In Äthiopien herrscht Aufbruchsstimmung Ausländer können sich jedoch nicht so einfach am Kuchen beteiligen. (Foto: Flickr/ Koffie zetten by Martijn.Munneke CC BY 2.0)

In Äthiopien herrscht Aufbruchsstimmung Ausländer können sich jedoch nicht so einfach am Kuchen beteiligen. (Foto: Flickr/ Koffie zetten by Martijn.Munneke CC BY 2.0)

Ausländische Banken versuchen seit langem, Eingang in Äthiopien zu finden. Gelungen ist das bislang nur sehr wenigen. Die türkische Ziraat Bankası will das jetzt schaffen und sich bis Ende 2015 in dem afrikanischen Land niederlassen. Mit gutem Grund: Die Vorzeichen stehen auf Wachstum, die Regierung zeigt sich investitionsfreudig.

Wir haben einen Antrag auf die Eröffnung eines Büros in Äthiopien gestellt“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den türkischen Wirtschaftsminister Zeybekçi. Ziraat hoffe, eine Banklizenz in dem ostafrikanischen Land zu erhalten. Ein Ansinnen, das vor dem türkischen Unternehmen schon zahllose ausländische Geldinstitute versucht haben. Bisland gibt es im Land nur eine handvoll nicht-äthiopischer Banken, darunter die Commerzbank und die aus Togo stammende Ecobank.

Die Repräsentanzen sind nicht berechtigt, kommerzielle Bankdienstleistungen anzubieten. Dennoch werden sie von Kreditanbietern als eine Möglichkeit gesehen, einen Fuß in das fremde Land zu bekommen und sich dort zu etablieren. Immerhin: Die Aussichten könnten dort im Augenblick nicht rosiger sein. Wie Zahlen der Weltbank zeigen, lag das Wirtschaftswachstum zwischen 2005 und 2013 im zweitbevölkerungsreichsten Land Afrikas durchschnittlich bei mehr als neun Prozent pro Jahr. Außerdem investiert die Regierung stark in neue Straßen und Kraftwerke.

Das Land rückte sich im vergangenen Jahr selbst in den internationalen Investment-Fokus, als man mit der Ausgabe von Fremdwährungsanleihen begann. Neben Äthiopien nutzten Länder wie Ghana, Sambia und Senegal die historisch niedrigen Dollar-Kosten, um Infrastrukturprojekte von Straßen bis zu Energie zu finanzieren. Eine Milliarde Dollar konnte Äthiopien auf diesem Wege einspielen.

Eine im vergangenen Januar vorgelegte Studie des britischen Forschungsinstituts Overseas Development Institute warnt allerdings: Investoren mit Eurobonds afrikanischer Länder müssen sich wegen der Währungsschwäche auf dem Kontinent auf Verluste von über zehn Milliarden Dollar gefasst machen, so Bloomberg. „Das derzeitige wirtschaftliche Umfeld in Afrika südlich der Sahara ähnelt dem Boom, der dem Einbruch während der Schuldenkrisen in Afrika und Asien in den 1990er Jahren vorausging. Damals mussten westliche Staaten und Banken Abschreibungen auf Anleihen in Milliardenhöhe vornehmen“, so Judith Tyson, die Autorin der ODI-Studie. „Dollarbeträge im Milliardenumfang stehen wieder auf dem Spiel, nicht zu reden von der Finanzstabilität der Region.“

Die Türkei ist in Ostafrika bereits aktiv. Operiert wird unter anderem in Somalia, wo der Mogadischu-Port nun von einer türkischen Gesellschaft verwaltet wird. Turkish Airlines fliegt mittlerweile täglich nach Somalia. Die Ziraat Bankası unterhält derzeit 1.490 Filialen und beschäftigt 24.092 Menschen. Tochtergesellschaften gibt es in Bosnien und Herzegowina, Russland, Usbekistan, Turkmenistan, Kasachstan, Aserbaidschan, Mazedonien sowie in Deutschland. Daneben bestehen Auslandsniederlassungen in Bulgarien, England, Georgien, Griechenland, Türkische Republik Nordzypern, USA und Repräsentanzen in Pakistan und Iran.

Ende 2012 ist in Äthiopien eine neue Investmentgesetzgebung in Kraft getreten. Ausländischen Banken ist es nicht erlaubt, Niederlassungen für das operative Geschäft  in Äthiopien zu unterhalten. Filialen ausländischer Banken, die Kredite bereitstellen, gibt es in Äthiopien daher nicht. Die Commerzbank betreibt in Addis Abeba eine Repräsentanz“, informiert hierzu die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Addis Abeba.

Generell gehören zu den ausschließlich äthiopischen Staatsangehörigen vorbehaltenen Bereichen unter anderem Bank-, Finanzdienst- und Versicherungsdienstleistungen. Für ausländische Investoren bestehen jedoch Möglichkeiten, in die den „Domestic Investors“ vorbehaltenen Bereichen zu investieren. Dafür ist allerdings eine Bewerbung um diesen Status notwendig.

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