Türkei ist das weltweit drittgrößte Spenderland für humanitäre Hilfe

Deutschland hatte erst 2012 die Entwicklungshilfe für die Türkei gestoppt. Heute zeigt sich schon ein ganz anderes Bild: Nach den USA und Großbritannien hat das Land 2013 mit 1,6 Milliarden US-Dollar mehr humanitäre Hilfe geleistet als Japan oder Deutschland.

Mittlerweile trägt die Türkei 7,3 Prozent aller humanitären Hilfsgelder weltweit. (Foto: Flickr/ Providing clean water to millions of people by DFID - UK Department for International Development CC BY 2.0)

Mittlerweile trägt die Türkei 7,3 Prozent aller humanitären Hilfsgelder weltweit. (Foto: Flickr/ Providing clean water to millions of people by DFID – UK Department for International Development CC BY 2.0)

Die Türkei ist zu einem der größten Geberländer auf internationalen Bühne geworden. Dafür verantwortlich ist besonders die unruhige Lage in fast allen ihrer Nachbarstaaten. Egal ob im Gazastreifen, in Syrien oder im Irak, in allen Ländern leistet die Türkei Hilfe und nimmt eine große Anzahl der Flüchtlinge auf dem eigenen Staatsgebiet auf. Kein europäisches Land bietet so vielen Flüchtlingen aus Krisengebieten Unterschlupf wie die Türkei. Auch ein Flüchtlingslager im kurdisch geprägten Nordirak wurde erst vor kurzem errichtet.

Drittgrößtes Geberland

Mittlerweile trägt die Türkei 7,3 Prozent aller humanitären Hilfsgelder weltweit. Damit ist sie drittgrößter Geldgeber nach den USA und Großbritannien. In kürzester Zeit hatte Ankara die Ausgaben um 591 Millionen US-Dollar erhöht. Im Jahr 2013 gab Ankara insgesamt 1,6 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe aus, so die Sabah. Ein Grund dafür seien die über eine Millionen syrischen Flüchtlinge im eigenen Land, die vor dem  drei Jahre andauernden Bürgerkrieg flüchteten. Auch die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge stieg in Verbindung mit der finanziellen Hilfe innerhalb der vergangenen Jahre unaufhörlich. Während die Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen, UNHCR, das Land bereits im Jahr 2013 als das fünftgrößte Flüchtlingsaufnahmeland führten, stieg die Zahl seit dem unaufhörlich an. Damals wurde die Zahl, der von der Türkei aufgenommenen Flüchtlinge noch auf weniger als 610.000 Flüchtlinge geschätzt. Mehr Flüchtlinge nahmen in derselben Region nur der Libanon und Jordanien auf. Im kleinen Libanon befanden sich Ende des vergangenen Jahres 856.500 Flüchtlinge.

Die USA ist immer noch stärkstes Geberland

Die Statistik der Geberländer wird jedoch weiter von der USA angeführt. Allein im Jahr 2013 brachte die amerikanische Volkswirtschaft 4,7 Milliarden Dollar an humanitärer Hilfe auf. An vierter Stelle der Geberländer steht Japan, gefolgt von Deutschland. Das geht aus dem Bericht der Global Humanitarian Assistance hevor. Die meisten Mittel weltweit fließen in Hilfsaktionen in Syrien. Schon im Jahr 2012 bezog der türkische Nachbar 1,5 Milliarden Dollar aus internationalen Geldern und ist damit weltweit der größte Krisenherd.

Türkisches Flüchtlingslager im Nordirak

Ein weiterer Grund für den rasanten Anstieg ist der im Laufe des vergangenen halben Jahres aufflammende Konflikt zwischen den Regierungen Syriens, des Iraks und der Terrororganisation „Islamischer Staat“. Sowohl in der Türkei selbst als auch auf kurdischem Gebiet im Nordirak hatte sich die Türkei um Flüchtlinge bemüht. Große Teile der von der IS verfolgten Jesiden suchten Schutz im nordirakischen Autonomiegebiet oder schlugen sich durch bis in die Türkei. In der Nähe der Stadt Zakho soll nun ein neues Flüchtlingscamp errichtet werden, berichtet die Nachrichtenplattform Worldbulletin. Laut Angaben des türkischen Katastrophenschutzes AFAD sollen 30 bis 40.000 Jesiden nach Syrien geflohen sein, während 6500 weitere Menschen Schutz nahe der Grenze suchen.
Das von der Türkei geplante Camp soll 16.000 Flüchtlinge aufnehmen können, berichtet die Hurriyet.

Wie die Regionalregierung verlauten ließ, war das gemeinsame Vorgehen von Peschmerga und den USA gegen die radikalen Islamisten zuletzt sehr effektiv. Dennoch sind seit Beginn des Konflikts 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht, so die UN. Allein die türkische Grenze sollen 10.000 Jesiden überschritten haben.

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