OECD-Ranking: Türkei hat „effizienteres“ Schulsystem als Deutschland und die Schweiz

Mit Platz 21 unter den 30 OECD-Staaten schneidet die Türkei eher enttäuschend beim Vergleich der Effizienz im Bildungssystem ab. Trotzdem liegt die Türkei damit aber noch vor Deutschland, der Schweiz und südeuropäischen Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien. Es bleibt viel zu tun.

Die der OECD am 4. September 2014 vorgelegte Studie verglich 30 OECD-Staaten und setzte den Erfolg ihres Bildungssystems in Verbindung mit dem dafür bereitgestelltem Geld. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellte auch heraus, dass das türkische Bildungssystem in den Bereichen Lesen, Mathematik und Wissenschaft mit den Ergebnissen des PISA-Primus Finnland konkurrieren kann.

Besser als einige westeuropäische Staaten

Die Türkei schließt damit besser ab als einige westeuropäische Länder. Die Länder Schweiz und Deutschland sowie mehrere südeuropäische Staaten konnten beim Effizienzindex nicht so gut wie dir Türkei abschließen. Die Studie an sich ist die erste ihrer Art und orientiert sich an der Effizienz des Bildungssystems, gemessen am Budget. Die Budgetgröße und letztendliche Unterrichtsqualität bleiben hier unbeobachtet.

Eine grobe Orientierung bietet die Zahl der bezahlten Lehrer. Finnland kann bei dem Ranking wieder als Bester abschneiden. Als ein großes Problem sieht die Studie die niedrige Bezahlung der türkischen Lehrer, so die Hurriyet. Die Bezahlung müsste um 129 Prozent steigen, um ausreichend zu sein. Das hängt mit dem Verhältnis zwischen dem Lehrer und den betreuten Kindern zusammen, so die OECD. Zu wenige Lehrer mit schlechter Bezahlung betreuen zu viele Kinder. Doch das ist nicht der einzige Kritikpunkt am türkischen Bildungssystem.

Frauen benachteiligt

Frauen sind im türkischen Bildungssystem immer noch benachteiligt. „52 Prozent der Frauen im Alter von 15 bis 29 in der Türkei gehen weder arbeiten noch zur Schule. Bei den türkischen Männern liegt der Anteil bei 20 Prozent“, fassen die türkischen Medien zusammen. Während die durchschnittliche Schulbildung in den OECD-Ländern bei 13 Jahren liegt, kämen 90 Prozent der Türkinnen und Türken, wie in China, Indonesien und Saudi-Arabien, auf gerade einmal acht bis zehn Jahre (mehr hier). Der Grund: Nach der Regelschule geht es für viele Schülerinnen und Schüler eben nicht weiter. Und das hat Konsequenzen: Laut OECD-Bericht gehört die Türkei derzeit zu den Top drei Nationen – neben China und Brasilien – mit dem geringsten Anteil an Kandidaten, die es auf eine Universität schaffen. Der Anteil derjenigen, die nach ihrer Schulzeit tatsächlich eine Hochschule besuchten, läge bei 20 Prozent. In Brasilien liegt der Anteil bei zwölf, in China gar nur bei sechs Prozent (mehr hier).

Neueste Schulreform umstritten

Schon bei der Verabschiedung im Parlament hatte die 4+4+4+ Schureform für Aufruhr gesorgt. Wenige Monate, nachdem die Reform umgesetzt wurde, gab es erneut Unstimmigkeiten. Denn Bildungsexperten und Eltern waren der Ansicht, dass das Bildungssystem noch gar nicht genug Maßnahmen ergriffen habe, um die umfangreiche Reform zu verwirklichen. Die umfassende Reform beinhaltete die Erhöhung der Schulpflicht von acht auf zwölf Jahre. Dabei besteht die Schulzeit aus vier Jahren Grundschule, vier Jahren Mittelschule und weitere vier Jahre bilden die Oberschule, wobei diese Zeit auch in Form einer Fernschule absolviert werden kann. Außerdem wurde das Schuleintrittsalter von 72 auf 60 Monate verringert.

Die Unterteilung des Schulsystems in drei Abschnitte hatte zudem vor allem säkuläre Kräfte in der Türkei verärgert. Da es bisher keine Mittelstufe gab und die Grundschule bis zur achten Klasse dauerte, konnten Schüler die religiösen Imam-Hatip-Schulen erst mit Beginn der Oberstufe besuchen. Nun ist es ihnen jedoch möglich, schon die Mittelstufe auf einer solchen Schule zu absolvieren (mehr hier).

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