Mehr Einfluss in der Region: Erdoğan unterstützt Krieg im Jemen

Die Türkei macht zukünftig ihren politischen Einfluss auf der arabischen Halbinsel geltend. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sprach während eines Staatsbesuch in Kuwait über eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen in der Region und befürwortete den Krieg im Jemen. Steht der türkischen Außenpolitik eine neue Richtungsänderung bevor?

Kuwait und die Türkei wollen ihre wirtschaftlichen Beziehungen verbessern. Zu besprechen gab es bei dem Staatsbesuch jedoch weit mehr. Erdoğan lobte ausdrücklich die Bemühungen des Emirs von Kuwait den Frieden in der Region zu sichern, machte aber auch klar, dass der Eingriff Saudi-Arabiens im Jemen notwendig sei. Dort destabilisieren Huthi-Milizen seit Monaten das Land und bedrohen den Frieden der Region. Nachdem die USA Flottenverbände in die Region schickten, wurden nun die ersten Stimmen seitens des Iran laut, eine diplomatische Lösung zu finden. Die Türkei setzt damit Fuß auf ein schwieriges diplomatisches Parkett: Nicht nur Saudi-Arabien und der Iran kämpfen um Einfluss in der Region, auch die USA sind um eine Vormachtstellung bemüht.

Wirtschaftliche Beziehungen sollen ausgebaut werden

„Die Beziehungen zwischen Kuwait und der Türkei werden gestärkt durch eine gemeinsame Kultur und durch das Teilen der selben Religion“, sagte Erdoğan im Vorfeld des Staatsbesuches laut Anadolu Agency. Weiterhin setzte er neue Ziele für den bilateralen Handel zwischen den beiden Staaten. Betrugt das Handelsvolumen im Jahr 2014 noch 569 Millionen Dollar, so soll dieses in wenigen Jahren auf eine Milliarde Dollar steigen. Erdoğan ermutigte auch die Investoren des kleinen Golfstaates ausdrücklich in der Zukunft stärker in die Türkei zu investieren, so KUNA. Hierbei sollen künftig besonders der türkische Immobilienmarkt, der Gesundheitssektor, die Landwirtschaft und die produzierende Industrie eine Rolle spielen. Es war Erdoğans erster offizieller Besuch seitdem er Staatspräsident ist. Die diplomatischen Beziehungen beider Staaten reichen zurück bis in die 1960er Jahre.

Türkei auf schwierigem Territorium

Insgesamt richtet die Türkei mit den neuesten diplomatischen Anstrengungen ihren Blick auf eine gefährliche Region. Das Eingreifen Saudi-Arabiens im Jemen hatte die Beziehung zum Iran getrübt. Auch in der Vergangenheit hatten beide Staaten große Differenzen. Die Türkei hatte sich nicht zuletzt demonstrativ auf Seiten Saudi-Arabiens und seiner Militärallianz gestellt. „Stabilität im Jemen aufzubauen ist entscheidend. Wir, als Türkei, unterstützen die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition. Die zweite Phase, die mehr auf Politik basiert, ist sehr wichtig, um die militärische erste Phase abzuschließen“, sagte Erdoğan zu Anadolu Agency. Die iranische Regierung hatte Saudi-Arabien erst kürzlich eine politische Lösung des Konflikts vorgeschlagen, nachdem sie das militärische Eingreifen heftig kritisiert hatte. Beide Staaten kämpfen um Einfluss in der Region. Die iranische Seite machte ihrerseits darauf aufmerksam, dass es keine politische Lösung geben werde, wenn Saudi-Arabien weiter militärisch im Jemen eingreife. Eine grundsätzliche Neuordnung der politischen Verhältnisse in der Region verband der Iran mit dem erfolgreichen Ausgang der Atomwaffenverhandlungen mit den Angehörigen des UN-Sicherheitsrates und Deutschland, so Al-Monitor.

Wie fragil die Situation vor Ort ist zeigen jüngste Ereignisse. Nachdem iranische Revolutionsgarden einen europäischen Frachter beschossen und in einen Hafen eskortierten, entsandt die amerikanische Regierung einen weiteren Zerstörer, so the Hill. Die Golfregion gilt als Lebensader der amerikanischen Volkswirtschaft, die auf das Öl Saudi-Arabiens angewiesen ist. Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldet, die iranische Marine habe einen Frachter „konfisziert“, weil sich das Schiff illegal in iranischem Hoheitsgewässer befunden habe. Laut dem russischen Staatssender RT soll das Schiff zunächst eine Warnung ignoriert haben und nach Warnschüssen aufgegeben haben (mehr hier).

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