Handel mit dem IS: Kurdische Regierung rettet Frauen vor Sklavenhandel

Der Handel mir Frauen aus den eroberten Gebieten des IS macht viele der Radikal- Islamisten reich. Die kurdische Regionalregierung zahlt hohe Summen um Frauen aus den Händen des IS zu retten. Damit finanziert sie den Krieg des IS und findet sich in einer moralischen Zwangslage wieder.

Kurdische Peschmerga kämpfen schon lange gegen den IS. Nun bezahlen sie diesen um vieler junge Frauen befreien zu können. (Bild: Flickr/Kirkuk ISIS Kampflinie - fröhlche Peschmerga im Angesicht der ISIS by Enno Lenze(CC BY 2.0))

Kurdische Peschmerga kämpfen schon lange gegen den IS. Nun bezahlen sie diesen um viele junge Frauen befreien zu können. (Bild: Flickr/Kirkuk ISIS Kampflinie – fröhlche Peschmerga im Angesicht der ISIS by Enno Lenze(CC BY 2.0))

Seit der IS weite Teile des Iraks und Syriens unter seine Kontrolle gebracht hat, wird von Übergriffen auf die Zivilbevölkerung berichtet. Nachdem in den letzten Monaten eine internationale Koalition unter der Führung der USA Luftschläge gegen die selbst ernannten Gotteskrieger ausführt, fallen Einnahmequellen wie die eroberten irakischen Ölquellen zunehmend weg. Doch der Krieg des IS muss finanziert werden und so finden sich immer neue Finanzierungswege. Nachdem während des letztens Sommers besonders der illegale Benzinhandel für frische Devisen in der Kasse der Terrormiliz sorgte, ist nun Menschenhandel zu einem guten Geschäft geworden. Besonders junge Frauen werden auf Sklavenmärkten wie Ware gehandelt. Die kurdische Regierung musste sich zwischen der Befreiung der Frauen und einer Mitfinanzierung ihres Kriegsgegners entscheiden. Sie entschied sich, die Frauen freizukaufen.

Ein Menschenleben für 50 Dollar

Besonders junge Frauen vom Stamm der Jesiden werden auf den Sklavenmärkten des IS gehandelt und dort zu Beträgen von unter 100 Dollar verkauft. Das bringt besonders die kurdische Regierung in Bedrängnis. Sie hat begonnen die Frauen aus den Händen des IS freizukaufen und tut dies über saudische Mittelsmänner innerhalb des IS. Sie rettet damit immer wieder Frauen vor einem Schicksal als Sexsklavin und finanziert auf der anderen Seite den IS. „Es sind immer noch ungefähr 3500 Jesidinnen, die als Sexsklavinnen und Geiseln vom IS festgehalten werden. Wir versuchen Wege zu finden sie zu retten. Es gibt dort einige sunnitische Araber in den vom IS kontrollierten Gebieten, die mit uns kooperieren. Wir bezahlen Geld für die entführten Mädchen, diese verkauft der IS und diese Leute kaufen sie dort für uns“, sagte Hadi Doubani, Koordinator für die Probleme der Jesiden innerhalb der kurdischen Regionalregierung, der Hurriyet. Der IS betreibt mittlerweile einen lukrativen Handel mit den meist jungen Frauen, sie werden zu vergleichsweise hohen Preisen an die Kurden weiterverkauft. „Sie verkaufen Frauen auf Sklavenmärkten, Milizionäre der IS kaufen ein Mädchen für 50 Dollar und verkaufen sie für 2000 bis 2500 Dollar zurück an uns“, so Doubani.

Das Vorgehen der Terrormiliz schilderte die Frauenrechtsorganisation Utamara e.V. folgendermaßen:

„Anfang August wurden in der Region um Schengal 3000 bis 4000 Menschen hingerichtet, einzeln oder auch als öffentlicher Massenmord. Weitere 5000 Menschen wurden entführt, darunter mindestens 1500 bis 2000 Mädchen und Frauen. Was mit diesen Mädchen und Frauen passierte oder passieren wird, ist absehbar. Aufgrund ihrer ezidischen Religionszugehörigkeit werden sie als halal (arabisch: erlaubt, zulässig) erklärt, was einem Vergewaltigungsaufruf gleichkommt. Im Internet finden sich erschreckende Bilder , auf denen zusammengekettete, vollverschleierte Frauen zu sehen sind, die als Sklavinnen wie Ware verkauft oder den IS-Terroristen zur sexuellen Ausbeutung übergeben werden. Bereits 2013 wurde zur Vergewaltigung von nicht-sunnitischen Frauen aufgerufen.“

USA griffen damals nicht ein

Eine Mehrheit der vom IS inhaftierten und verkauften Jesidinnen stammt immer noch von den Gefechten im Sindschar-Gebirge im August letzten Jahres. Damals war der IS in die von Jesiden bewohnten Gebiete vorgedrungen und hatte ein Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet. Viele der Jesiden flohen in das kurdische Autonomiegebiet oder in Richtung der Türkei. Eine Mehrheit der Jesiden wurde im August 2014 im Gebirge eingekesselt und konnte erst spät wieder befreit werden. Das amerikanische Pentagon teilte damals nach einer Aufklärungsmission mit, dass die Situation weniger dramatisch sei, als man angenommen hätte, so Reuters. Die amerikanische Regierung führte die gute humanitäre Lage auf das eigene militärische Eingreifen aus der Luft zurück.

In der kurdischen Hauptstadt Arbil plante man währenddessen die Evakuierung der eingeschlossenen Jesiden. Mögliche Vorgehensweisen wäre die Einrichtung eines Sicherheitskorridors oder die Evakuierung aus der Luft gewesen. Letztendlich wurden die Jesiden durch kurdisches Eingreifen befreit. Zunächst waren sie durch die Luft versorgt worden, so die New York Times. Es soll damals nicht nur Übergriffe durch Kämpfer der IS gegeben haben, sondern auch durch benachbarte Stämme. „Die nicht irakischen Djihadisten waren Afghanen, Bosnier, Araber und sogar amerikanische und britische Kämpfer. (…) Die schlimmsten Morde wurden durch Menschen begangen die unter uns lebten“, berichtet Sabah Hajji Hassan der Hurriyet. Er konnte vor der Offensive der IS fliehen (mehr hier).

Türkei reagierte schnell

Auch die türkische Regierung reagierte schnell und versuchte die Situation der Flüchtlinge durch die Bereitstellung umfangreicher Mittel zu verbessern. Die Jesiden waren damals durch kurdische Gebiete in Richtung Norden geflohen. In der Nähe der Stadt Zakho wurde mit türkischen Mitteln ein neues Flüchtlingscamp errichtet, so Worldbulletin. Laut Angaben des türkischen Katastrophenschutzes AFAD sollen 30 bis 40.000 Jesiden nach Syrien geflohen sein, während 6500 weitere Menschen Schutz nahe der Grenze suchen. Das von der Türkei geplante Camp soll 16.000 Flüchtlinge aufnehmen können, berichtet die Hurriyet. Auch die Türkei selbst bietet vielen Flüchtlingen aus der Region Schutz. Man geht davon aus, dass im Jahr 2015 bis zu 2,5 Millionen Flüchtlinge in der Türkei leben werden (mehr hier).

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